Weihnachtsbaum, oh Weihnachtsbaum

top feature image

Weihnachtsbaum, oh Weihnachtsbaum

Er ist zwar keine eigene Pflanzenart, aber der symbolische Mittelpunkt eines jeden familiären Weihnachtsfestes. Er steht mehr für Weihnachten als die Christrose und der Weihnachtsstern zusammen. Daher widmen wir der weltweit bekanntesten deutschen Weihnachtstradition einen Steckbrief: dem Weihnachtsbaum.

Name: Weihnachtsbaum
andere Namen: Christbaum, Tannenbaum, Paradiesbaum, Zuckerbaum
verwendete Baumarten: Nordmanntanne, Blaufichte, Edeltanne, Fichte, Kiefer
Merkmale: immergrünes Nadelkleid, Kerzen, Lichterketten, Kugeln und Lametta
Symbolik: Hoffnung, Unsterblichkeit, Wiedererwachen

Immergrüne Weihnachtsbaum-Ursprünge

Immergrün bedeutete für viele Kulturen schon immer ewiges Leben. Vitalität und Lebenskraft. Die alten Römer hatten zur Wintersonnenwende den Brauch, ihre Häuser mit immergrünen Lorbeerzweigen zu schmücken. Im Norden hingegen hängte man so genannte Wintermaien (immergrüne Zweige, darunter Mistel, Stechpalmen und Wacholder, aber sehr weahrscheinlich auch Tannenzweige) in die Hauseingänge. Zum einen dienten sie der Abwehr böser Geister, zum anderen sollten sie die Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings betonen.

Seinen eigentlichen Ursprung hat der Weihnachtsbaum jedoch im mittelalterlichen Paradiesbaum. Laut Liturgiekalender ist der 24. Dezember nämlich der Gedenktag von Adam und Eva. Zu diesem Anlass führte man so genannte Paradiesspiele auf. Da viele Menschen im Mittelalter des Schreibens nicht kundig waren, erinnerte man sie mit diesen Adam-und-Eva-Spielen an den Sündenfall. Dabei hängte man Äpfel an den biblischen Baum der Erkenntnis. Dargestellt im Winter eben von der Tanne oder einem anderen Nadelbaum.

Die ersten Weihnachtsbäume

Historisch unbelegte Überlieferungen berichten, die Freiburger Bäckerschaft schmückten einen Weihnachtsbaum im Jahre 1419 mit Lebkuchen, Äpfeln und Nüssen. Urkundlich belegt ist jedoch ein aufgestellter Weihnachtsbaum im Jahre 1539 im Straßburger Münster. Wer jetzt zuerst den ersten Weihanchtsbaum aufstellte, bleibt wohl ein ewiges Geheimnis.
Zunächst stellten nur die Zünfte Weihnachtsbäume auf und in bürgerlichen Häusern hängte man noch Tannenzweige auf. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zogen die Weihnachtsbäume dann aber auch in die Wohnstuben ein. Da eine Tanne recht kostspielig zu diesen Zeiten war, leisteten sie sich nur wohlhabende Bürger und hohe Beamte.

Allerdings stellten größtenteils evangelische Häuser einen Weihnachtsbaum auf. Denn nicht alle liebten die entstehende Tradition: Die katholische Kirche befand nämlich, Weihnachtskrippen hätten eine ausreichend Aussagekraft für das Weihnachtsfest und stempelten den Weihnachtsbaum als heidnischen Brauch ab. In katholische Wohnzimmer nistete er sich dann erst im 19. Jahrhundert ein. Genauer zu Zeiten des der Freiheitskriege gegen Napoleon. Denn der Weihnachtsbaum galt damals als deutsches Sinnbild und war über die Glaubensbekenntnisse erhaben. Die katholischen Kirchen eroberte er aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg und den Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz erlaubte erst Papst Jonannes Paul II im Jahre 1982.

Legenden rund um den Weihnachtsbaum

Eine Legende erzählt uns, wer den ersten Weihnachtsbaum bei sich zuhause aufstellte: Martin Luther! Einen Abend vor Heiligabend spazierte er durch den Nadelwald. Dabei beobachtete er die Sterne, die zwischen den Nadelästen hervorschimmerten. Dieses Bild inspirierte ihn dazu, einen eigenen Nadelbaum mit Kerzen aufzustellen. Die Kerzen sollten das Sternenfunkeln während der Geburt Jesu‘ nachstellen. Seinen Kindern erzählte er daraufhin, dass Jesus die Sterne des Himmels jedes Jahr verlässt, um auf die Erde zu kommen. Und das ist eben an Weihnachten.

Eine andere Legende rankt sich um den berühmten Weihnachtsbaumschmuck: das Lametta. Ein Märchen, das vor allem in Ostdeutschland und den osteuropäischen Ländern (besonders in der Ukraine) erzählt wird, handelt von der Weihnachtsspinne: Am Weihnachtsvortag putzte eine Mutter ihr Haus glanzrein und schmückte schon einmal den Tannenbaum. Eine Spinne entzückte sich sehr über den Baum und spann sich vom Stamm zu Nadelast zu Nadelast. So hüllte sie den ganzen Baum in mehlig graue Spinnweben ein. Die Spinne zeigte sich entsetzt. Just in diesem Moment kam das Christkind (alternativ Sankt Nikolaus) mit den Geschenken und sah die Bescherung. Also verwandelte es das Spinngewebe in Gold und Silber und der Baum funkelte und glitzerte. Das Lametta war geboren.

Weihnachtsbaumschmuck

Neben Lametta, das nicht nur der Weihnachtsspinne gedenkt, sondern auch Eiszapfen symbolisiert, gibt es noch allerhand anderen Baumschmuck. In Erinnerung an das Weihnachtsspinnenmärchen sind gerade ukrainische Weihnachtsbäume mit Spinnen und Spinnennetze geschmückt. Hierzulande spielen aber vor allem Kerzen eine Rolle. Die Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien schmückte im Jahre 1611 den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen. Nach und nach (sicher auch weil so viele Häuser abbrannten) ersetzte man sie durch Lichterketten. Allerdings sind Kerzen natürlich viel hyggeliger.

Die ersten Weihnachtsbäume zierten Äpfel, Oblaten, Lebkuchen und Nüsse. Vor allem die Kinder freute das: Zwischen den Jahren durften sie dann von dem Baum naschen. Mancherorts war dies sogar schon nach der Bescherung üblich. Später hängte man auch allerhand Zuckerzeug an den Nadelbaum. Deswegen hieß der Weihnachtsbaum auch regional Zuckerbaum. So genannte Zuckerpuppen kamen bald in Mode. Beliebte Motive waren Tiere, Spielzeug oder Instrumente. Im 19. Jahrhundert kamen Marzipanfiguren hinzu. Die obligatorischen rot-weißen Zuckerstangen stammen hingegen ursprünglich aus Schweden und heißen eigentlich Polkagris.

Papiergirlanden, Papierrosen und Strohsterne erfreuten sich ebenfalls großer Beliebtheit. Vor allem in den Balkanländern bastelt man den Baumschmuck auch noch selber. Die ersten gläsernen Christbaumkugeln kamen wohl Mitte des 19. Jahrhunderts an den Weihnachtsbaum. Einer Legende zufolge entstand die Tradition im thüringischen Lauscha. Hier lebte im Jahre 1847 ein armer Glasbläser. Er konnte sich teure Äpfel und Walnüsse nicht leisten. Deshalb stellte er bunte Kugel aus Glas her und hängte sie sich an den Christbaum. Tatsächlich aber sollen die Kugeln an die Äpfel des Paradiesbaumes erinnern. Vor allem die roten.

Weihnachtsbäume in der ganzen Welt

Bald verbreitete sich der Weihnachtsbaum über Deutschland in die ganze Welt hinaus. Vermutlich 1832 erleuchtete der erste Weihnachtsbaum ein amerikanisches Wohnzimmer. Dabei unterschied und unterscheidet sich die Dekoration immer noch sehr von der deutschen Tradition. In den USA war es in den Anfangszeiten des Weihnachtsbaums üblich Cranberries und Popcorn an die grünen Zweige zu hängen. Auch kleine Geschenke finden dort ihren Platz und natürlich die Weihnachtsgurke. Sie wird versteckt im Baum aufgehangen und wer sie als erstes entdeckt ohne den Baum zu berühren bekommt ein Extrageschenk. Irrtümlicherweise glaubt man in den USA, die Weihnachtsgurke sei ursprünglich deutsch. Das mag zwar stimmen, denn die Urglasgurke wurde vermutlich ebenfalls im deutschen Lauscha geblasen. Alles andere ist jedoch echt amerikanisch. Auch die sie umrankende Legende vom gefangenen, kranken Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg. Sein letzter Wunsch war eine saure Gurke. Ihr Verzehr verlieh ihm neue Kraft und er überlebte seine Gefangenschaft.

Ein beliebter Trend in den USA ist auch der upsidedown christmas tree. Ein von der Decke hängender Weihnachtsbaum. So kurios es sich anhört: Dieser Brauch war noch bis ins 20. Jahrhundert gang und gäbe in Osteuropa, aber auch in Deutschland. Warum man die Bäume von der Decke baumeln ließ, liegt im Dunkeln verborgen. Vermutlich aber in Anlehnung an die Wintermaien, die damals in den Wohnungen hangen.

Doch nicht alle Länder stellen Nordmanntannen oder Fichten auf. In Südafrika schmückt man Baobabbäume und in Neuseeland erblüht der Pohutukawa. Mit seiner flauschigen, roten Pinselblüte benötigt er kaum zusätzlichen Schmuck. Allerdings stellt man ihn sich auch nicht zuhause auf. Da in Neuseeland zu Weihnachten Hochsommer herrscht, feiert man das Fest der Liebe auch im Freien.

Der Weihnachtsbaum in Wort und Lied

Ähnlich der Christrose inspirierte der Weihnachtsbaum Künstler zu Liedern und Geschichten. Kaum einer kann sich in der Weihnachtszeit dem beliebten O Tannenbaum Lied entziehen. Feierlich sind auch die Lieder Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen und Der Christbaum ist der schönste Baum. Doch auch Johann Wolfgang von Goethe erwähnte 1774 in seinem Roman Die Leiden des jungen Werthers den Weihnachtsbaum. Im berühmten Nußknacker und Mausekönig beschreibt E.T.A. Hoffmann den Weihnachtsbaum beinahe schon glorifizierend. Hans Christian Andersen machte sich in seinem Märchen Der Tannenbaum Gedanken über das kurze, traurige Leben eines Weihnachtsbaums.

Besondere Weihnachtsbäume

Rund um die Welt gibt es natürlich auch berühmte und kuriose Weihnachtsbäume. Am bekanntesten ist wohl, dass Jahr für Jahr der größte Weihnachtsbaum der Welt auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt zu Gast ist. Wobei der größte Weihnachtsbaum aus mehreren „kleinen“ Tannenbäumen besteht.
Ein schwimmender Weihnachtsbaum stammt aus Brasilien: In Rio de Janeiro wird eine mit 3,3 Millionen Glühlampen ausgestattete Stahlkonstruktion aufs Wasser geschickt. Die Galeries Lafayette in Paris überrascht jedes Jahr mit einem in ein neues Thema gekleideten Weihnachtsbaum. In Italien am Monte Ingino formt eine Kette aus 3.000 Lichtern und mehreren Hundert Metern Kabeln einen riesigen Weihnachtsbaum, den man auch noch aus 50 Kilometer Entfernung sehen kann. Den wohl teuersten Schmuck trägt der Baum im Emirates Place Hotel in Abu Dhabi: Juwelen und Edelsteine im Wert von 11 Millionen Dollar zieren seine Zweige. Weltberühmt ist aber natürlich nur einer: der Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center. Rund 30.000 Lichter und ein mit Kristallen besetzter Stern erfreuen die Menschen in New York jedes Jahr aufs Neue.

Künstlicher Weihnachtsbaum

Besonders für den upsidedown christmas tree-Trend sind künstliche Tannenbäume beliebt. Doch sind Kunsttannen viel älter als manch einer glaubt: Schon im 18. Jahrhundert fertigte man Weihnachtsbäume mangels echter Tannen künstlich an. Natürlich nicht aus PVC oder Spritzguss. Sondern aus grün eingefärbten Gänsefedern. Um 1900 herum gab es sogar eine Modeerscheinung für weiße Bäume. Demnach sind künstliche, bunte Weihnachtsbäume also keine Erfindung unserer Zeit.

Für den Kauf einer Kunsttanne spricht natürlich seine Wiederverwendbarkeit. Zum anderen nadelt so ein Kunstbaum auch nicht, die Wohnung bleibt also sauber und auch Fellnasen verschlucken die giftigen Tannennadeln nicht mehr staubsaugergleich. Außerdem sind Kunsttannen inzwischen nur noch schwer entflammbar. Der Baum braucht auch keine Bewässerung und das mühselige Ausrichten von Baumspitze und den Zweigen entfällt. Den fehlenden Tannenduft ersetzen frische Tannenzweige auf der Fensterbank oder über den Kamin. Ganz wie es beliebt.

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert. Bitte kontaktieren Sie uns für Inhaltskorrekturen per E-Mail.

Post navigation

  Next Post :