Urban Jungle

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Urban Jungle

Großstadtdschungel. Der Begriff verspricht in seinem Ursprung eigentlich Menschenmassen, überfüllte Straßen mit Lärm und Hektik in einer niemals zur Ruhe kommenden Stadt. Der Trend Urban Jungle soll das Gegenteil bewirken. Das Grün soll Ruhe und Behaglichkeit in die eigenen vier Wände bringen und für Entspannung von eben jener Großstadthektik sorgen.

Der Dschungel für die Wohnung

Im Großstadtdschungel ist ein wenig Grün ein großer Luxus. In all dem Beton und Asphalt ist ein Balkon, ein eigener Garten oder auch nur eine kleine städtische Grünfläche nahebei ein wirklicher Lichtblick. Doch nicht alle Menschen können auf diese Art ihre grüne Sehnsucht stillen. Deshalb gewinnt vermehrt der so genannte Urban Jungle Trend im Interior Design an Bedeutung.

Der Urban Jungle holt nämlich das Grün in Form von Grünpflanzen in die eigenen vier Wände. Groß, grün und möglichst wild sollen die Pflanzen in der Wohnung wachsen. Ob im Topf schattenspendend und großblättrig, oder schlangengleich vom Schrank herabrankend. Naturgetreu und wie im Dschungel muss es eben sein.

Die grüne Wirkung des Urban Jungle

Urban Jungle ist aber nicht nur einfach ein Einrichtungstrend. Er hat auch Auswirkungen auf Gesundheit und Psyche. So verbessern lebendige Grünpflanzen nachweislich die Lebensqualität. Sie reinigen die Wohnungsluft von Schadstoffen, dämmen den Lärm ein und steigern die Produktivität und Kreativität. Alles gute Gründe sich einen eignen Urban Jungle anzulegen.
Die Farbe Grün hat außerdem laut Farbpsychologie eine positive Wirkung auf die menschliche Psyche: Sie entspannt, beruhigt, vermittelt Sicherheit und kann auch Trauer lindern. Zusätzlich erinnert sie uns an den Wald, der eine heilsame Wirkung auf uns hat, positiv für Gesundheit und Immunsystem ist und außerdem Stress abbaut. Kurz: Die Farbe und damit auch die Pflanzen, ermuntern, erfrischen und machen lebendig.

Welcher Stil darf es sein?

Für den Urban Jungle eignen sich minimalistische Einrichtungsstile am besten. Wie der Scandi-Look, der Industrial Style oder Wabi-Sabi. Besonders im heavy-metallischen Industrial Style kommen die Grünpflanzen gut zur Geltung, da sich das satte Grün wunderbar mit Metallfarben kombinieren lässt und auch für faszinierende Lichtspiele sorgt. Der Urban Jungle bringt außerdem ein wenig Leben und Gemütlichkeit in die industralisierte Gradlinigkeit und Nüchternheit.
Der Kolonialstil dagegen hat seinen Ursprung in den ehemaligen Kolonien in den südamerikanischen und afrikanischen Tropen, als die Welt noch von den Europäern entdeckt wurde. Daher sind er und der Urban Jungle Style sich auch besonders grün miteinander.

In Kombination mit verspielten Stilen wie Shabby-Chic, dem Landhausstil oder dem Boho-Stil erweist der Dschungel sich als eher schwierig. Zwischen all der Nostalgie, Upcycling und den zahlreichen Dekoaccessoires spielen die Pflanzen nur noch eine Nebenrolle und das Dschungelfeeling will nicht so recht aufkommen. Obwohl Pflanzen an sich natürlich überall rein passen und auch dem zarten Bonbonrosa oder kräftigen Farbtönen das grüne Etwas verleihen.

Der große Star des Urban Jungle: das Fensterblatt

Alle Grünpflanzen mit Dschungelfeeling sind im Urban Jungle willkommen. Jedoch ist eine Pflanze das Gesicht, oder besser gesagt, das Blatt des grünen Trends. Die Rede ist vom Fensterblatt, botanisch als Monstera deliciosa bekannt. Es sorgt im wahrsten Sinne des Wortes für ein gutes Klima in den Räumen, hat herzförmige Monsterblätter, die im Durchmesser bis zu einem Meter lang wachsen können, und schmeckt auch noch außerordentlich gut. Denn sie treibt Früchte aus, die nach Exotik, nach den Tropen und nach Urlaub schmecken: ein wenig nach Banane, ein bisschen nach Ananas und nach einem Hauch Mango. Das prägte ihren Beinamen deliciosa. Ihren Namen Fensterblatt leitet sich dagegen von den charakteristischen Lücken in ihren Blättern ab: Durch sie fällt nämlich das Licht auf die tiefer angesiedelten Blätter oder auch andere Pflanzen. Denn die Monstera ist eine gebürtige, südamerikanische Regenwälderin und klettert als Lianenpflanze bis zu 20 Meter in die Bäume hoch.

Weitere Pflanzen für den Urban Jungle

Ein Dschungel besteht aber nicht nur aus einer Pflanze allein. Er gestaltet sich vielfältig aus Großblättern, Kleinpflanzen und auch Kletterpflanzen. Ein optischer Zwilling der Monstera und gern mit ihr verwechselt, ist der Baumfreund, in Botanikerkreisen vielmehr als Philodendron bekannt. Allerdings sind seine Blätter vielförmiger und seine Früchte sind eher nicht essbar, denn sie enthalten giftige Oxalsäuren.

Eine andere für den Dschungel geeignete Kletterpflanze ist die Efeutute. Dekorativ marmoriert oder abwechslungsreich gefleckt in Silber, Goldgelb oder Weiß sind ihre Blätter. Mit einer geeigneten Kletterhilfe kann man sich Regale und Fenster von ihr grün und dschungelwild umranken lassen.
An der Decke baumelt auch gerne der Chlorophytum, zu deutsch Grünlilie. Er besitzt einen reichen, wilden, grün-weißen Blattschopf. Da seine vielen Langblätter zumeist wie lange Spinnenbeine über seinen Topf herausragen, nennt man ihn im Englischen auch Spider plant. Und was wäre ein Dschungel ohne Spinnen?

Eine wilde Dschungelatmosphäre mit dichtem Grün bieten auch Farngewächse. Sie sind unter den Pflanzen wahre Fossilien, denn sie bevölkern die Erde schon seit 300 Millionen Jahren. Mit 40.000 Arten ist die Auswahl auch recht groß und lässt den Menschen richtig gut durchatmen und sorgt für eine gute Luftfeuchtigkeit. Eine sehr gesunde Ergänzung für den Urban Jungle also, die Kopf und Haut durchatmen lässt.
Einen positiven Beitrag leistet auch die Efeuverwandte Schefflera (Strahlenaralie). Ihre grünen, auch gemusterten Blätter spreizen sich fingerförmig und sollen laut Feng-Shui positive Energie in sich speichern.

Ein wirkliches Blattwunder und fast schon ein Muss für einen wundervollen Urban Jungle stellt die Calathea dar: Sie weist fantasievolle und dekorative Blattmuster auf. Manchmal sehen sie aus wie ein Pfauenauge, weshalb sie in den Niederlanden auch Pauwplant (dt. Pfauenpflanze) genannt wird. Zudem rollen sich ihre großen Blätter Abend für Abend in einer Knistermelodie zusammen und breiten sich am Morgen wieder aus, um die Sonne einzufangen.

Klein, aber oho

Es geht aber auch kleiner zu im Urban Jungle. Nicht jeder Wohnung hat Platz für die großen Blätter von Monstera & Co. Wer es gerne kleiner mag, ist mit Sukkulenten sehr gut beraten. Sie können dekorativ in jeder Ecke, an jedem Ort und in vielfältigen Arten erblühen.

Schmucke Blätter und viele Namen hat auch die Pilea peperomioides: In China gilt sie als Glückbringer, weswegen sie auch den Namen Glückstaler trägt. Ihre Fähigkeit ihren Blütenstaub wie eine Kanone zu verschießen brachte ihr den Namen Kanonenblume ein. Für ihre runden und flachen Blätter heimste sie die Bezeichnung Pfannkuchenpflanze ein und weil diese an den langen Stielen geradezu schweben, nennt man sie auch gerne Ufopflanze.

Der Pilea peperomioides ist die Peperomia (Zwergpfeffer) nicht nur im Namen ähnlich. Sie trägt auch einen ähnlichen Blattschmuck, nur vielfältiger. Mit Wassermelonenstreifen oder rostrot gewellt. Sie ist Südamerikanerin und deshalb auch eine geeignete Urwaldbewohnerin. Wie die Schefflera verbreitet sie im Wohnzimmerdschungel positives Feng Shui. Die kleinblättrigen Sorten wie die Peperomia rotundifolia oder die Peperomia prostrata eignen sich auch hervorragend als wildrankende Ampelpflanzen.

Unbreakable Plants für den Urban Jungle

Ein Urban Jungle ist auch für Menschen möglich, die sich sonst nicht besonders grün mit Pflanzen sind, sprich, die über den berühmten schwarzen bzw. toten Daumen verfügen. Für sie eignen sich besonders die unbreakable plants, also die besonders robusten Dschungelpflanzen. Der Klassiker ist natürlich der Kaktus. Er zeigt zwar Stacheln, ist aber ein guter, genügsamer und treuer Freund. Sein Wuchs gestaltet sich beinahe kunstvoll und seine Blüten blühen tropisch bunt ins Auge.
Ein Wüstenfreund ist auch die Agave. Sie trägt auch häufig den Beinamen Century Plant (dt. Jahrhundertpflanze), denn ihre Blüte dauert zumeist Jahrzehnte an und tritt nur einmal in ihrem Leben auf. Manchen Arten kostet sie gar das Leben.

Ein sukkulenter Verwandter der Agave aus der Spargelgewächsfamilie ist der Bogenhanf (Sansevieria). Mit seinen dickfleischigen Blättern und der wahlweisen weißen oder gelben Marmorierung hat er ein unverwechselbares Aussehen und den lustigen Spitznamen Schwiegermutterzunge, der eine verborgene Anspielung auf die oftmals spitze Zunge von Schwiegermamas ist. Allerdings entgiftet er die Luft und regelt gekonnt den Feuchtigkeitsgehalt. Solche spitzen Zungen sind im Dschungel doch sehr willkommen.
Die Palmlilie, wohl besser als Yucca-Palme bekannt, gehört ebenfalls zu den Verwandten der Agave und des Bogenhanfs. Sie stammt aus Mittelamerika und ist streng botanisch genommen gar keine Palme, allerdings sieht sie allemal so aus. Sie ist anspruchslos, übermäßig, dekorativ grün und deshalb perfekt für jeden robusten Dschungel.

Eine echt robuste Schönheit stellt auch der Eukalyptus dar. Er ist so etwas wie der australische Bambus und vor allem als Nahrungsquelle für die trägen Koalabären bekannt. Immergrün mit einem Silberhauch, bei manchen Sorten auch mit einem angenehmen Duft (z. B. beim Zitroneneukalyptus) passt er wunderbar in das eigene Dschungelwohnzimmer. Allerdings ist Vorsicht geboten für Haustiere: Anders als der Koala, sind Hund und Katze gegen das enthaltene Cineol nicht immun.

Wirklich nur grün?

Selbstverständlich grünt es nicht nur im Urban Jungle. Für nötige, exotische Farbtupfer im Dschungel sorgen Orchideen wie die Phalaenopsis, Cymbidium oder die Cambria. Die farbigen Hochblätter der Flamingoblume alias Anthurie dagegen verbreiten Exotik, Glanz und Selbstbewusstsein im Urwaldzimmer. Dschungelhaft mit einer orangenen Paradiesblüte blüht es auch bei der Strelitzie. Ein Urban Jungle-Muss stellt auch die Bromelie dar: Ihre buntblühenden Hochblätter und ihre Ananasfrucht sind besonders tropisch. Ein Göttergeschenk aus alten Tagen. Denn die Bromelie wuchs bereits vor Millionen von Jahren und hatte bei den Mayas und Azteken eine rituelle Bedeutung.

Dschungel-Accessoires

Um die grünen Pflanzen in ihrer Wildheit und Exotik zu unterstreichen, eignet sich ein Übertopf aus Wasserhyazinthe hervorragend. Für die eigene Einrichtung machen sich Rattansessel oder Möbel aus dunklem Holz oder Bambus gut. Auch Upcycling-Elemente wie Obstkistenregale machen sich super im Dschungelgrün. Als Dekoration zieren sie dann afrikanische Holzfiguren wie Elefanten, Giraffen oder Nashörner, große Windlichter und Obstteller mit echten oder künstlichen Exotikfrüchten.
Den Urban Jungle Style kann man aber nicht nur mit Grünpflanzen allein leben. Sollte die Wohnung zu klein für viele Großpflanzen sein, findet man inzwischen auch genug Grün auf Textilien, Servietten und Tapeten gedruckt. Monsterablätter und Palmenwedel gehören dabei zu den beliebtesten Motiven. Auch dekoratives Porzellan oder Töpfe in Kakteenform oder mit Flamingos und Papageien verziert eignen sich als Dschungel-Eyecatcher.

Urban Jungle mit Kunstpflanzen?

Gießfaule oder Menschen mit einem toten oder schwarzen Daumen können sich einen künstlichen Urban Jungle einrichten. Leider reinigen grüne Kunstpflanzen nicht die Luft, aber Dschungelatmosphäre bringen sie ebenso gut in die Wohnung und können eine gute Ergänzung zu den Rattansesseln und Pflanzenmotiven sein.
Vielleicht sind es aber auch bestimmte einzelne Grünpflanzen, die trotz aller Mühen nicht gedeihen wollen. Ein künstlicher Ersatz für die anspruchsvolle Calathea oder die für Tiere giftige Monstera im privaten Wohnzimmerdschungel ist deshalb keine Schande, sondern eine schöne optische Ergänzung.

Feel the Jungle

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