Strelitzie – Afrikas Paradiesvogel

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Strelitzie – Afrikas Paradiesvogel

Ein Paradiesvogel aus Afrika. Das ist sie wohl, die Strelitzie. Ihre Symbolik verspricht uns großspurig Extravaganz, Freiheit und Unsterblichkeit. Einzigartigkeit. Tatsächlich kann man sie auch als eine Blume der High Society bezeichnen. Denn die Strelitzie hatte in der Vergangenheit königliche Verbindungen.

strelitzie steckbrief

Name: Strelitzie
Botanischer Name: Strelitzia
Andere Namen: Paradiesvogelblume, Papageienblume, Kranichblume
Familie: Strelitziengewächse (Strelitziacea)
Anzahl der Arten: 5 Arten
Ursprungsland: Südafrika
Blütenfarbe: Orange, Blau, Weiß
Merkmale: Blütenkamm aus orangenen und blauen Blüten, die in ihrer Form an einen Vogel oder Kranich erinnern
Symbolik: Freiheit, Paradies, Extravaganz, positive Lebenseinstellung, Unsterblichkeit
Blumensprache: Du bist einzigartig!
(ehemalige) Nationalblume: Madeira

Gestatten, Strelitzie!

Benannt ist die Strelitzie nach einer wahren Königin. Einer Queen of Botany: nach Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz. Sie interessierte sich nämlich ihr Leben lang für Pflanzen und Gärten und half auch dabei die berühmten Royal Botanics Garden von Kew zu erweitern. Deshalb und weil die exotischen Paradiesvogelblüten ihn so sehr faszinierten, benannte der damalige Direktor ebendieser königlichen Gärten, der ehemalige Pflanzenjäger Sir Joseph Banks sie nach der Gemahlin Königs George III: Strelitzia Reginae – die Strelitzie der Königin.
Erstmals nach Europa, in die Londoner Royal Botanic Gardens kam sie im Jahre 1773 an. Auf Südafrikaexpedition gefunden wurde sie jedoch am Kap der guten Hoffnung schon 1772 von dem ersten offiziellen Pflanzenjäger der Königlichen Gärten von Kew, Francis Masson, der vom Direktor Banks ausgesandt wurde, noch unentdeckte Blumen und Pflanzen zu finden. Die botanische Erstbeschreibung der Strelitzie erfolgte jedoch erst im Jahre 1789 durch William Aiton.

Der Paradiesvogel unter den Blumen

Die Strelitzie trägt außerdem den Trivialnamen Paradiesvogelblume. Augenscheinlich ähneln die Blüten nämlich strahlenden Vögeln, die sich auf der Pflanze ein kleines Päuschen gönnen. Das schnabelförmige Hochblatt dient den Vögeln tatsächlich als Landeplatz beim Honigsammeln und Nektartrinken. Sobald sie sich auf den Blauen Spieß, die Blütenpfeilspitze setzen, öffnet sie sich und Blütenstaub setzt sich frei. Häufig kleben sie sich an den Vogelfüßen und -köpfen fest. Beim Besuch der nächsten Strelitzie überträgt sich der Pollen dann. Die Bestäubung erfolgt also nicht wie bei anderen Blumen durch Bienen. In südafrikanischer Wildnatur beteiligen sich sogar kleine Äffchen daran.
Im Englischen nennt man die Strelitzie ihrer Blütenform wegen auch crane flower (dt. Kranichblume).

Die Strelitzie in Deutschland

Die Strelitzie brauchte auch einige Zeit bis sie schließlich in die Heimat ihrer Namenspatronin nach Deutschland ankam. Erst im Jahre 1815, fast vierzig Jahre nach ihrer Entdeckung in Südafrika, schickte die englische Königin Charlotte ihrer Familie eine Strelitzienstaude ins deutsche Neustrelitz. Sieben Jahre später erblühte die Staude dann erstmals in ihrer Pracht in der örtlichen Schlossorangerie und ganz Neustrelitz verliebte sich in sie.
Zu DDR-Zeiten bewahrte man sich diese Brücke zu fernen Kontinenten udn Völkern und züchtete die Paradiesblüte in vielen Glashäusern. Allerdings hatte sie in den damaligen Blumenläden einen erschwinglichen Preis: Bis zu 15 Mark verlangte man für ihre Exotik. Nach der Wende aber verfielen viele der Zuchtbetriebe oder wurden mangels wirtschaftlichen Interesses einfach abgerissen. Die königliche Strelitzie verlor an Bedeutung.

Dann, 1995 jedoch, feierte sie ihr Comeback als offizielle Stadtblume von Neustrelitz. Seitdem fehlt sie auf keinem Stadtfest und hat sogar ihre ganz eigene Festlichkeit: das Strelizienfest, bei dem auch eine Strelitzienkönigin gekürt wird. Mittlerweile steht zwischen Neustrelitzer Schlossgarten und Hafen auch eine Edelstahlskulptur der Strelitzie, die von dem Künstler René Winter kreiert und im Jahre 2008 anlässlich der 275-Jahr Gründungsfeier aufgestellt wurde.


Ungebrochene, weltweite Strelitzienliebe

Doch nicht nur in Deutschland erfährt die Strelitzie Ehre: In ihrer Heimat Südafrika ziert sie das Münzenantlitz der 50 Centmünze und auch Los Angeles ehrt sie als Stadtblume.
Beliebt ist sie auch als Urlaubssouvenir. Auf Teneriffa und Madeira blüht sie nämlich allgegenwärtig, ob in ganzen Feldern oder in Gartenkübeln. Einst bezeichnete sie man als Madeiras Inselwahrzeichen. Doch so ganz stimmt das leider nicht mehr. Schuld daran ist nämlich der einheimische Nationalstolz. So könne die Strelitzie nicht länger die Nationalblume sein, da sie nicht einheimisch sei. Sondern Südafrikanerin. Deshalb ersetzt der Madeira-Natternkopf, auch Massaroco genannt, die Blume nun als Wahrzeichen.


Der Baum unter den Blumen

Die Strelitzia nicolai (dt. Baumstrelitzie) ist die große Schwester der Strelitzia reginae und vereint ein weiteres europäisches Adelshaus in der Pflanze: nicolai nimmt nämlich Bezug auf Zar Nikolaus I. Ihr sieht man die Verwandtschaft zu den Bananengewächsen viel deutlicher an, denn sie wächst bis zu zehn Meter hoch. Auch ihre Blüten sind größer, wiegen viel mehr und kleiden sich in Weiß und Schwarz anstatt in ein leuchtendes Orange. Ihre grünen Laubblätter gleichen den Bananenblättern, deshalb ist die Strelitzie auch eine perfekte Kandidatin für den Urban Jungle und für die Safari im eigenen Wohnzimmer. Ihre exotischen, prächtigen, aber doch zurückhaltenden Blüten bringen einen warmen Leuchtfarbtupfer in all das Grün.

Aber Vorsicht! Die Strelitzie hat eine optische Doppelgängerin. Die Helikonie, treffend auch Falsche Paradiesvogelblume genannt, sieht ihr zum Verwechseln ähnlich. Tatsächlich sollte die Strelitzie erst der Gattung Heliconia zugedacht werden. Allerdings zeigten sich dann doch größere Unterschiede, sodass sie zur Strelitzie der Königin wurde.

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