Stechpalme – die immergrüne Hoffnung

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Stechpalme – die immergrüne Hoffnung

Die Stechpalme gehört zu den Klassikern der Weihnachtsdekoration. Sie ist sogar noch älter als der Weihnachtsbaum, gehörte sie doch zu den früheren, gebräuchlichen Wintermaien.

Name: Stechpalme
Botanischer Name: Ilex aquifolium
Weitere Namen: Gewöhnliche Stechpalme, Gemeine Stechpalme, Winterbeere, Christdorn, Hülsebusch, Palmdistel, Stacheleiche, Hülse, Hulstbaum 
Familie: Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae)
Anzahl der Arten: 400 – 600
Herkunft: Europa
Blütenfarbe: weiß
Merkmale: immergrüne Blätter mit 5-7 langen Stachelspitzen an jeder Seite, scharlachrote Beeren
Symbolik: Hoffnung, Unsterblichkeit, ewiges Leben, Freundschaft, weise Voraussicht, Schutz vor allem Bösen

Berühmter Namensgeber

Der botanische Name Ilex ist abgeleitet von der Quercus Ilex, der Stein-Eiche aus dem Mittelmeerraum. Die immergrünen Eichenblätter ähneln den der Stechpalme. Ihr Aliasname Hülse entspringt dem Germanischen hulis bzw. huls und gab so manchem deutschen Ort einen Namen. Aber auch in deutschen Nachnamen ist der Wortstamm zu finden. Berühmteste Namenträgerin ist wohl die Lyrikerin Annette von Droste-Hülshoff.

Die englische Sprache leitete vom hulis-Wortstamm den Stechpalmennamen holly ab. Mittlerweile hat sich Holly nicht nur zu einem beliebten Mädchenvornamen entwickelt, es ist auch Namensgeber für das weltberühmte Hollywood.
Auch J.R.R. Tolkien begeisterte sich für die Stechpalmenpflanze. Er benannte in seiner Mittelerde-Welt das Land Hulsten (im englischen Original Hollin) nach ihr.

Alte Ilex-Bräuche

Seine weihnachtliche Bedeutung ging im Laufe der Zeit fast verloren. Heute glaubt so mancher, der Ilex sei ein Trend aus England oder den USA. Dort gibt es nämlich kein Weihnachtsfest ohne ihn. Dabei diente der Ilex hierzulande früher innerhalb der ärmlichen Bevölkerung als Weihnachtsbaum, da Tannen sehr teuer waren.

In den Zeiten vor der Weihnachtsbaumtradition hängten die Menschen im Winter so genannte Wintermaien auf. Als Symbol für ewiges Leben und in Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings. Zu ihnen gehörten neben Misteln und Tannenzweigen auch die Stechpalme. Zumeist band man sie mit dem Efeu zusammen. Dabei soll der stechende Ilex den männlichen Part symbolisieren und der anschmiegsame Efeu eben den feminen.
Die Römer verschenkten die Stechpalme als Glücksbringer und als Zeichen für Gesundheit zu ihrem Mittwinterfest, den Saturnalien. Allerdings hängten sie ihn auch als Schmuck und Schutz auf.

Weihnachten und Ostern in einer Stechpalme

Die katholische Kirche zeigte sich vom Ilex ebenso wenig begeistert, wie anfangs vom Christbaum. Sie lehnte ihn strikt als heidnischen Brauch ab und verbot ihn. Daran wollte das Kirchenvolk sich aber nicht halten. Also ernannte die Kirche die Stechpalme zur Symbolpflanze Jesu Christi: Die roten Beeren stellten seine Blutstropfen dar, die Stacheln die Dornenkrone und das Blättergrün die Hoffnung und Unsterblichkeit.

Zunächst setzte man sie für die vorösterlichen Palmsonntags-Prozessionen ein. Mangels echter Palmenzweige griff man daher auf immergrüne Zweige (wie die Stechpalme), auf den Buchsbaum oder die Weide zurück. Deshalb trägt der Ilex auch den irreführenden Volksnamen Stechpalme, obwohl sie biologisch keiner Palme ähnelt.
Zum Palmsonntag und der Stechpalme wird auch eine Legende erzählt, um diesen Irrtum noch zu vertiefen: So soll der Ilex von den Palmen abstammen, mit deren Zweige man Jesus Christus bei seinen Einzug nach Jerusalem mit einem „Hosianna“ begrüßte. Das gleiche Volk schrie jedoch bald darauf „Kreuzige ihn!“ zu Pilatus hoch. Daher wuchsen der Palme dann die charakteristischen Dornenblätter.

Ähnlich der Christrose gibt es auch eine Hirten-Weihnachtslegende für die Stechpalme: Auf dem Weg zur Weihnachtskrippe folgte den Hirten ein kleines, krankes Lämmchen. Treuherzig folgte es dem Hirtenjungen, der es zuvor gepflegt hatte, stolperte dabei immer wieder. Stechpalmen zerkratzten es. Im Stall nahm der Junge das Lämmchen zu sich und wärmte es. Maria sagte daraufhin, auch ihr Sohn würde eines Tages gut zu den Hilflosen und Schwachen sein. Zur Erinnerung an die Bamherzigkeit des Hirtenjungen trägt die Stechpalme die roten Beerenfrüchte.

Eine Stechpalme zum Schutz

Dem Ilex sagt man auch eine beschützende Wirkung nach. Der Glaube daran erwuchs daraus, weil er ein undurchdringliches Dickicht bildete, hinter dem man sich in Kriegs- oder Räuberzeiten verstecken konnte. Bald schon ergänzte der Aberglaube ihn zu einem Talisman, der vor bösen Zauber, Verwünschungen und vor Blitzeinschlägen schützt.
So fegte man im Rheinland die Kamine mit Besen aus Stechpalmen aus. Damals glaubte man nämlich, der Kamin sei Ein- und Ausgang für allerlei Böses und für Geister. Der immergrüne Besen sollte deshalb allen Ruß beseitigen, an dem die bösen Geister festklebten. Um zu verhindern, dass die Geister aus dem Kamin ins Haus gelangten, hängte man Stechpalmenzweige an ihm auf.
Die Japaner glauben ebenfalls an den Ilexschutz vor bösen Geistern und hängen deshalb an ihrem Neujahrsfest die Zweige in Haus und Hof auf.

Bei den Kelten und Germanen dagegen gebrauchte man Ilex dazu, Feen, Elfen und gute Waldgeister anzulocken. Im Dunkelgrün der Blätter suchten sie Schutz vor der Winterkälte und beschützten das Haus vor Unheil, Hexenzauber, Walddämonen und anderen bösen Geistern. Die alten Druiden trugen Ilexblätter in ihren Bärten, um sich ebenfalls vor dunklen Mächten zu schützen.
Mit der Stechpalme geht es also ziemlich magisch zu. Wen wundert es da, dass die Zauberstäbe in den Harry Potter-Filmen aus Ilexholz gefertigt waren?

Der Nutzen der Stechpalme

Abgesehen von seinem magischen Nutzen im Aberglaube, ist das Holz des Ilex, ähnlich dem des Buchsbaums, ziemlich hart. Aus ihm kann man also wunderbar Schachfiguren oder Intarsien für Möbel schnitzen. Aus dickeren Holzstämmen fertigte man Werkzeugstiele, beispielsweise für eine Sense oder auch einen Hammer. Die dünneren bevorzugte man für Spazierstöcke. Auch Johann Wolfgang von Goethe hatte einen Gehstock aus Hülsen gefertigt, den man heute noch im Weimarer Goethehaus begutachten kann.

Vorsicht vor den schön-roten, ab September reifenden Beeren! Sie sind giftig. 20 – 30 von ihnen bringen dem Menschen den Tod. Und doch kann aus ihnen auch ein Spirituose werden: die Baie de Houx.
Auch als Heilmittel gegen Verstopfung, Epilepsie und Wechselfieber gebrauchte man die kleinen Giftbeeren.

Aus den Blättern der Ilex paraguariensis braut man vor allem in Südamerika den Matetee auf. Dort ist es eine Art Nationalgetränk. Der Tee ist aufgrund seines Koffeingehaltes ein regelrechter Muntermacher, wird aber auch als Appetitzügler angewendet. Seinen Namen hat der Tee von dem Flaschenkürbis (spanisch: mate) aus dem er traditionell getrunken wird.

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