Shabby? Nein, Chic!

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Shabby? Nein, Chic!

Seit 2012 begeistert sich die Welt in einem regelrechten Hype nun für Shabby-Chic. Nicht nur Nostalgie macht den used-look Stil heute so beliebt, sondern auch das Entdecken der Möbel oder Dekoartikel. Jeder Flohmarktbesuch avanciert dadurch zu einer kleinen Schatzsuche. Zudem erinnert der Shabby-Stil mit all seinen Schönheitsfehlern und seiner Unvollkommenheit auch an uns selbst: Denn Nobody’s Perfect.

Nostalgische Gefühle

Der Kernpunkt von Hygge ist Gemütlichkeit. Beim Shabby-Chic dreht sich alles um Nostalgie. Das Häkeldeckchen unter der Porzellanblumenvase erinnert Sie an Omas gute alte Stube? In der rostfleckigen Dose bewahren Sie wie schon Ihre Mutter vor Ihnen den Lieblingskakao aus Ihrer Kindheit auf? Dann sind Sie mittendrin im Shabby-Chic!
In unserer modernen, technisierten, rastlosen Welt sehnen sich die Menschen zunehmend nach der guten, alten Zeit zurück. Nach Gemächlichkeit, Charme und auch Romantik in ihrem Alltag. Außerdem beflügelt viele Menschen der Gedanke, Unikate in ihrer Wohnung zu besitzen. Denn genau das sind Erbstücke mit sich über Jahre hinweg entwickelten Alltagsspuren: wertvolle Einzelstücke. Als Unikate gelten auch handgemachte Stücke: ob Häkeldeckchen oder interessante Upcycling-Accessoires.

Traditioneller und aktueller Shabby-Chic

Der ursprüngliche Shabby-Chic entstand im England der guten alten 80er Jahre. Damals stellte er eine Rebellion gegen den voherrschenden Trend der teuren Edelmöbeln im viktorianischen Stil dar. Denn Shabby-Chic bedeutete damals wie auch heute natürlich die wörtliche Übersetzung „schäbig schick“, aber kann auch als „verblichene Eleganz“ oder als „vornehme Armut“ interpretiert werden. Die Herzstücke des Shabby Stils kommen zumeist aus Nachlässen, vom Flohmarkt oder vielleicht auch vom Sperrmüll. Sein besonderer Charme findet sich nämlich in Möbeln und Deko-Accessoires, an denen bereits der Zahn der Zeit nagte. Dazu gehören abblätternder Lack, Schleif- und Kratzspuren von Schlüsselbunden, Rostflecken und Vergilbung beispielsweise. Shabby-Chic ist die Schönheit des Unvollkommenen.
In seiner traditionellen Ursprungsform bezog sich der Einrichtungsstil nur auf Möbel. Aktuell umfasst das Shabby-Angebot jedoch auch noch Kleinmöbel, Deko-Artikel, Elektrolampen, Stoffe und Gartendekoration. Natürlich auch Kunstblumen.

Alles Vintage, oder was?

Der Shabby-Chic ähnelt dem Vintage-Stil sehr. Übersetzt bedeutet Vintage „altmodisch“ oder „klassisch“. Tatsächlich entspricht der Begriff aber eher dem deutschen „antik“. Wobei Vintage Möbelstücke und Accesores beschreibt, die wie Wein im Alter gereift sind. Der Shabby-Style ordnet sich dem Vintage als Unterkategorie unter. Man kann sagen, Shabby ist Vintage, aber Vintage ist nicht gleich Shabby. Zumal der Shabby-Chic seinen offiziellen Namen auch erst 1989 bekam und den Rachel Ashwell in Santa Monica patentieren ließ. Der Shabby-Stil ist außerdem ungemein kreativer, was Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Stile und den DIY-Faktor angeht. In diesem Sinne ist der Shabby-Chic Vintage für Anfänger.

Schäbig-schicke Farben

Die vorherrschende Farbe des romantischen Einrichtungsstils ist Weiß. Das war aber nicht immer so. Bei den Möbelstücken spielten in der Ursprungsform Farben überhaupt gar keine Rolle. Wie sie geerbt oder erworben wurden, so wurden sie aufgestellt. Zumeist in ihren natürlichen oder gebeizten Holztönen. Weiße Lackierungen oder Anstriche wiesen altersbedingt eher ein Elfenbeinweiß statt dem heutigen Reinweiß auf. Besonders edle Möbel brachten mit Goldfarbe überstrichene oder geschnitzte Ornamente mit.
Die heutige Mode schwört allerdings auf weiße oder altweiße Möbel. Vereinzelt auch natürliche Kieferfarben. Beliebt bei Accessoires sind auch Pastelltöne: meerschaumgrün, minze, rosarot, lavendel, vanillegelb oder himmelblau. Kräftige Buntfarben dagegen sind nur akzeptabel, wenn sie wie mit den Jahren verblasst aussehen.

Shabby-Blumenköniginnen

Die Hortensie krönten wir ja bereits zur Königin des Shabby-Chics. Doch herrscht sie natürlich nicht alleine. Vor allem die Rose und Pfingstrose bereiten ihr ernsthafte Konkurrenz. Aufstrebende Nebenbuhlerinnen sind Lilien, der Rittersporn, Dahlien, Kamelien, Ranunkeln und nicht zu vergessen die Tulpe. Beliebteste Blütenfarben sind natürlich das obligatorische Weiß, besser noch Creme, oder Pink. Aber auch das Hortensienköniginnenblau oder Lavendellila romantisieren den Shabby-Stil. Wer es ein wenig bescheidener mag, kann auch gerne auf Lavendel oder Flieder zurückgreifen. Blühende Obstbaumzweige wie Pfirsich, Apfel oder Kirschblüte, aber auch ein paar Eukalyptusblätter, Schleierkrautzweige oder das ein oder andere Maiglöckchen füllen jedes Bouquet hervorragend auf.

Richtig shabby-chic kommen die echten oder künstlichen Blumen in mit Sprüngen versehenen Porzellanvasen oder in rostenden Gießkannen zur Geltung. Damit steigt jede vergessene Ecke, jeder Flur und jeder Badewannenrand zum Hingucker auf. Wer es gerne originell mag, arrangiert die Blumen in Hut- oder Schuhschachteln und verziert diese mit Spitze, Selbstgehäkeltem, Kunstbeerenzweigen, Kordeln oder Seidenbändern. Abgefallene Kunstblüten oder Welkblüten echter Blumen bitte nicht wegwerfen: Sie machen sich zerrupft wunderschön romantisch auf jedem Möbel in Barock- oder Rokokostil.

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