Phalaenopsis – Schmetterlinge im Topf

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Phalaenopsis – Schmetterlinge im Topf

Es gibt ca. 27.000 Orchideenarten. Die bekannteste unter ihnen ist die Schmetterlingsorchidee, botanisch bekannt auch als Phalaenopsis. Mit ihrem langen, dünnen Hals und einem wunderschönen Blütengesicht mit Schmollmund ist sie die perfekte Diva-Königin. Deshalb ist sie auch die Zimmerpflanze des Monats September.

phaalenopsis steckbriefName: Schmetterlingsorchidee
Botanischer Name: Phalaenopsis
Weitere Namen: Nachtfalterorchidee, Malaienblume
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Anzahl der Arten: 70 Arten
Ursprungsland: Indien, Indonesien
Blütenfarbe: weiß, rosa, violett, pink, gestreift oder gefleckt
Merkmale: Luftwurzeln, sattgrüne, fleischige Laubblätter und vielgestaltige Blütenformen, die an einen Schmetterling erinnern
Symbolik: Eleganz, Weiblichkeit, Verbundenheit, Zuneigung, Solidarität, Luxus, Leidenschaft, Sehnsucht
Nationalblume: Indonesien

Orchidee – ein Wort für Schönheit und Eleganz

Orchideen haben vermutlich schon den Dinosauriern Gesellschaft geleistet. Wissenschaftler schätzen den Ursprung der Orchideenfamilie nämlich vor etwa 65 bis 80 Millionen jahren in den tropischen Regionen. Die Orchideenahnen wollten damals noch nicht so hoch königinhaft hinaus wie die Epiphytenverwandten heutzutage, sie waren noch bodenständiger, mit den Wurzeln in der Erde.
Die ersten Schriftstücke über Orchideen stammen von 500 vor Christus aus China. Der berühmte, chinesische Philosoph Konfuzius erwähnte den Orchideenduft sogar in seinen Schriften und kreierte für sie das Schriftzeichen Ián, das Anmut, Liebe, Reinheit, Eleganz und Schönheit bedeutet. Bis heute spielen Orchideen bei buddhistischen Feierlichkeiten eine wichtige Rolle.

Doch auch andere Kulturen verehrten und entdeckten die Nützlichkeit von Orchideen: Für die Azteken stellten sie heilige Gewächse dar und die nordamerikanischen Ureinwohner nutzten die Vanilleschoten einer bestimmten Orchideenart. Nur die Europäer sind tropische Orchideen-Spätzünder: Die ersten Orchideen gelangten mit der Eroberung der Neuen Welt nach Europa und 1615 erblühte die erste tropische Orchidee in den Niederlanden. Mit der Erblühung der ersten Cattleya-Orchidee im Jahre 1818 entbrannte eine regelrechte Jagd nach Orchideen und viele Naturforscher und Jäger verloren bei der Entdeckung neuer Orchideenarten sogar ihr Leben.

Die Orchidee als Göttergeschenk

Bei Orchideen denken die meisten Menschen zunächst an Tropenhitze und Dschungelgrün. Doch schon 300 vor Christus erwähnt der Grieche Theophrastus die einheimischen Knabenkräuter, die mitteleuropäischen Orchideen. Er bezeichnet sie in seinem Werk als orchis (dt. Hoden), da die Wurzelknollen eine ausgeprägte Hodenform aufweisen. Natürlich woben die Griechen sofort wieder einen Mythos den Namensursprung: Orchis, Sohn einer Nymphe und eines Satyrs, verfügte über die Leidenschaft und Libido seiner Eltern und versuchte beim Fest zu Ehren des Weingottes Bacchus eine Priesterin zu vergewaltigen. Zur Strafe zerrissen die wilden Tiere ihn. Die Götter ließen daraufhin Milde walten und verwandelten den Körper in eine Orchidee und verbannten seine Hoden als Wurzelknollen unter die Erde. Deshalb heißt das Knabenkraut auch Orchis.
Deshalb verwendete man die Knabenkraut-Wurzelknollen auch als Aphrodiasikum und die Orchidee symbolisierte Fruchtbarkeit. Es herrschte auch der weit verbreitete Aberglaube, äße eine Schwangere die größere der beiden Knollen, gebäre sie einen Jungen.

Australiens Ureinwohner dagegen glaubten, die Götter hätten die Orchideen aus ihrem Sternengarten auf die Erde geschüttet. Die Bäume und Berge fingen die Blumen behutsam auf und die Orchideenschönheit besiedelte von da an die Menschenwelt.

Eine Blume wie ein Nachtfalter

Die Mutter aller Schmetterlingsorchideen ist die Phalaenopsis amabilis, die bis heute zu den drei Nationalblumen Indonesiens zählt. Vor rund 400 fand die Phalaenopsis ihren Weg aus den asiatischen Tropenregenwäldern nach Europa, 1704 fand sie ihre erste Erwähnung durch den jesuitischen Naturforscher Georg Jospeh Kamel im Historia Plantarum. Ihren Namen bekam sie jedoch erst um 1753 von dem schwedischen Botaniker Carl von Linné. Die Blüten erinnerten ihn nämlich an die Mottengattung Phalaena. Griechisch übersetzt bedeutet Phalaenopsis aber „dem Nachtfalter“ ähnlich, weswegen man sie auch Nachtfalterorchidee nennt.
1886 erblühte in der englischen Gärtnerei Veitch and Sons die erste künstlich erzeugte Hybride: eine Kreuzung aus Phalaenopsis aphrodite und Phalaenopsis equestris.

Wie die anderen Geschwister aus der Orchideenfamilie blieb die Phalaenopsis zunächst den wohlhabenden Gesellschaftsschichten vorbehalten. Sogar noch in den 1960er Jahren galt die Schmetterlingsorchidee als Liebhaberluxus. Heute bieten Super- und Baumärkte sie zu Millionen zum erschwinglichen Preis an. Dabei handelt es sich dann meistens um so genannte Multihybride. Massenhaft werden sie in Gewächshäusern herangezüchtet. Da gut Phalaenopsis aber auch Weile haben will, sind die meisten Schmetterlingsorchideen mindestens schon 1-2 Jahre alt (wenn nicht sogar älter), wenn sie uns im Supermarkt juwelenhaft anlächeln. Von der Regenwaldnaturform unterscheiden sie sich jedoch im Aussehen und ihren Allüren. Sie können viel besser in unseren Wohnungen überleben und hegen kaum Ansprüche. Weshalb es gut mit ihr auszuhalten ist.

Ein Hauch von Luxus und Eleganz

Seit 1999 ist die Phalaenopsis die beliebteste Topfblume in ganz Europa und auch die umsatzstärkste Zimmerpflanze. Ihre exotische Tropenschönheit und die juwelenstrahlenden Schmetterlingsblüten machen der Rosen ernsthafte Konkurrenz um den Königininnentitel. Viel gemeinsam haben die beiden aber nicht, außer dass beide nicht natürlich in blauer Farbe blühen. Und dass sie in jeden Einrichtungsstil Eleganz und einen Luxushauch hineinbringen. Egal ob Wabi-Sabi, Shabby-Chic, orientalischer oder minimalistischer Einrichtungsstil, die Phalaenopsis fügt sich überall bescheiden oder prinzessinnenhaft ein. Besonders im asiatischen Stil ist sie ein richtiger Star. Kein Wunder: Der Feng Shui schreibt der Orchidee Fülle, Fruchtbarkeit und Schönheit zu. Sie soll sich auch positiv auf den Lebensenergiefluss im Haus auswirken. Daher gehört die Schmetterlingsorchidee auch wie der Bonsai zu den Zen-Pflanzen.

In ihrer Symbolik verspricht die Phalaenopsis Eleganz, Solidarität und Respekt, aber auch Zuneigung und Verbundenheit. In China steht sie außerdem für Freundschaft, Perfektion und eine zahlreiche Nachkommenschaft.

Partner für die Orchideenkönigin Phalaenopsis

Als Schnittblume wird die Schmetterlingsorchidee überwiegend in Hochzeitssträußen miteingebunden. Dort verträgt sie sich gut mit ihrer Rosenrivalin in Weiß oder Zartrosa. Doch auch mit der Calla tut sich sich gerne zusammen. Pur mit ein wenig bescheidenem Schleierkraut kommt sie jedoch am besten zur Geltung. Wie weiße Schmetterlinge sitzen Phalaenopsisblüten dagegen in einem Strauß aus Skabiosa, lavendelviolettem Lisianthus, weißer Hortensie und ein wenig Efeugrün.
Auf der Fensterbank oder als Zimmergenosse genießt sie gerne die Gesellschaft von tropischen Mitgefährten wie Philodendron, Farne, Schefflera oder Flamingoblumen. Aber auch Sukkulenten nehmen gerne neben ihr Platz.

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