Teil 2: Narzissen – Vorboten des Frühlingserwachens

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Teil 2: Narzissen – Vorboten des Frühlingserwachens

Der Frühlingsblühstar ist vielleicht die Tulpe, aber die Narzisse gehört so sicher wie Ei und Schokohase auf den Ostertisch. Mit ihren fröhlich gelben Farben und durch den lustigen Trompetenkelch schmettern sie geradezu ihre Frühlingslobhymnen in die Natur hinaus: I like the flowers, I like the daffodils.

narzisse-produktfotoName: Narzisse

Botanischer Name: Narcissus

Weitere Namen: Osterglöckchen, Märzenbecher, Tazette

Familie: Amaryllisgewächse

Anzahl der Arten: bis zu 85 Arten

Ursprungsland: Mittelmeerraum (südliches Europa, Marokko, Libyen)

Blütenfarbe: gelb, orange, weiß

Merkmale: als Glockenbecher geformte Blüte

Symbolik: Schlaf, Tod und Wiederauferstehung, Eitelkeit, Eigenliebe, erwachender Frühling, Fruchtbarkeit

Hanakotoba: Respekt

Geburtsblume für den Monat: Februar

Obwohl Narzissen so heiter und freundlich erscheinen, sind sie Einzelgänger. Sie dulden Gerbera, Tulpen, Ranunkeln oder die Rosenkönigin nicht als Nebenbuhlerinnen und vergiften sie gnadenlos, sollten sie sich neben ihr in der Vase breitmachen. Vorsicht auch, wenn Katzenmäulchen an ihnen knabbern, das wird ihrem Magen nicht wohl bekommen.
Der Narzissenduft macht einen schweren Kopf, ist sehr intensiv. Deshalb kann man den lateinischen Narcissus-Namen auch vom griechischen narkao ableiten, das im deutschen Wort Narkose nachhallt. Eine kräftige Duftwolke verbreiten Weihnachtsnarzissen, die als Tazette klassifiziert ist. Sie wurde im alten China als Neujahrsorakel angetrieben: Erblühte die „einhundertköpfige Wasserfee“ rechtzeitig zum Neujahr, konnte man sich im neuen Jahr vor Glück und Gesundheit angeblich kaum noch retten.
Doch nicht nur im alten China war die Narzisse bekannt: Schon die Ägypter, Griechen und Römer verwendeten sie als Dekoration. Den Weg aus Südeuropa machte die Narzisse über unseren alten Bekannten Carolus Clusius, der schon erfolgreich die Tulpe für uns Europäer kultivierte.

Narzissen in der Mythologie

Die Griechen benutzten die Narzissen nicht nur als Schmuck, sondern ehrten sie auch in ihren zahllosen Göttermythologien: So kann der Name Narzisse auch vom schönen Narkissos (deutsch: Narziss / lateinisch Narcissus), den Sohn des Flussgottes Kephissos, abgeleitet werden. Er war ein stolzer, von sich überzeugter Jäger und wies all seine Verehrer und Verehrerinnen von sich. Darunter auch die Quellnymphe Echo. Narziss erwiderte ihre Liebe jedoch nicht und spottete ihrer nur. Darüber grämte sie sich sosehr, dass sie dahinschwand und für die Welt nur noch ihr Echo übrig blieb. Die mythologischen Quellen sind sich uneins darüber, ob die Rachegöttin Nemesis, die Jagdgöttin Artemis oder die Liebesgöttin Aphrodite Narkissos zur ewigen Selbstliebe verfluchte. Von da an umschwärmte er sein Spiegelbild im See, betrachtete und schmachtete. Sein Geist verwelkte ob der Unerfüllbarkeit seiner Liebe, er wollte sich selbst umarmen und fiel ins Wasser. Oder stürzte sich selbst ins Wasser als ein Blatt sein Spiegelbild kräuselte und er seine vermeintliche Hässlichkeit nicht ertrug. Hierüber sind die Quellen sich auch nicht ganz einig. Allerdings erzählen sie einstimmig von seiner Verwandlung in eine Narzisse. Das sich (über das Wasseroder seinem Spiegelbild) beugende Gelb- oder Weißköpfchen der Narzisse erinnert nun bis in alle Ewigkeit an Narkissos.

Symbolik und Blumensprache

Die meisten Menschen verbinden mit der Narzisse dank Narkissos wohl Selbstliebe. Eifersucht. Eitelkeit. Narzissmus eben. Auch in der Blumensprache trompeten sie dem Beschenkten unverblümt ein „Du bist eitel!“ ins Gesicht. Dabei verkünden Narzissen doch auch so viel Positives: Hoffnungsvolle Wiederauferstehung. Die Überwindung des Todes. Den Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Wer es weniger religiös-dramatisch oder mythologisch-tragisch mag, kann auch schlicht und einfach „Frühling“ sagen.

In der islamischen Kultur wird die Narzissenblüte nicht als fröhlicher Frühlingstrompeter interpretiert, sondern vielmehr als Auge: Von Gott gegeben soll es „das Grün und die Rose erblicken“ können. Weiße Glockenbecher können aber auch ein blindes Auge symbolisieren, ein von Schlaflosigkeit ermüdetes oder für die Hardcoreromantiker unter uns ein von Liebessehnsucht blind geweintes Auge.

Das künstliche Spiegelbild der Narzisse

Kunstnarzissen in der Variante Stielblume können im Gegensatz zu ihrem Naturvorbild ohne Bedenken mit Tulpen, Hyazinthen, Schleierkrautblüten oder Weidenkätzchenzweigen in eine Vase gestellt werden, auch mit ihren Schwestern aus der Natur. Es besteht keine Vergiftungsgefahr. Auch nicht für das neugierige Kätzchen.
Zwar verbreiten Kunstnarzissen keinen lieblichen Frühlingsduft, was im Falle der aufdringlichen Tazettenduftvariante aber auch von Vorteil sein kann und man erspart sich bei Überempfindlichkeit Migräneanfälle, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Und keine Sorge: Auch die farbenfrohen Blüten aus Stofffasern strahlen noch immer Selbstverliebtheit und Eitelkeit aus und sind alles andere als bescheiden.

frühlingsboten-narzisse narzisse weiß im körbchen

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