Klatschmohn, klatsch!

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Klatschmohn, klatsch!

Die Mohnblume ist ein wahrhaftiger Sommerherold. Feuerrot zündet sie Felder und Wiesen an und verkündet phänologisch-kalendarisch: Ich bin da! Jetzt beginnt der Sommer! 2017 erhielt sie in Deutschland den Titel zur Blume des Jahres und erinnert somit stellvertretend an alle verlorengehenden Ackerwildblumen.

Name: Klatschmohn
Botanischer Name: Papaver rhoeas
Alternative Namen: Blutblume, Feldmohn, Feuer-Mohn, Wilder Mohn, Feldrose, Feuerblume, Flattermohn, Klappermohn, Klapperrose, Kornrose, Kornschnalle, Grindmagen, Paterblume
Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)
Anzahl der Arten: ca. 120 Arten
Ursprungsland: Nordafrika und Eurasien
Blütenfarbe: gelb, orange, rot
Merkmale: große Blüten, schwarze Kapselfrucht
Nationalblume: Polen
Symbolik: Fruchtbarkeit, Schlaf, Vergessen, Tod, Versuchung, Selbstverlorenheit, Liebesleid, Trost, Lebenslust
Hanakotoba: lebenslustig

Pionier Mohnblume

Der Klatschmohn stammt als Ackerwildpflanze ursprünglich aus Regionen, in denen der Ackerbau seinen Anfang und Schwerpunkt fand. Vermutlich aus Eurasien oder Nordafrika. Von dort verstreuten sich die Mohnsamen zusammen mit dem Saatgetreide durch Verschleppung in der ganzen Welt. Das fand in der Jungsteinzeit statt. Als feuerroter Pionier wächst die Mohnblume heute vornehmlich auf Brachflächen und kündigt mit seinem Blühen den oft herbei gesehnten Sommer an.

Der Gattungsname Papaver findet seinen Ursprung im lateinischen papa (dt. Brei) und im vernum (dt. echt). Hintergrund hierfür ist wohl, dass Eltern ihren Kindern ein wenig Mohn als Schlafmittel in ihren Brei hinein rührten. Der Klatschmohn-Artenname rhoeas (vom lateinschen rhoia für fließend) hingegen bezieht sich auf den aus einer Pflanzenverletzung austretenden Milchsaft. Allerdings ist die Beruhigungswirkung des Klatschmohns eher unbedeutend. Ganz im Gegensatz zu seinem Schlafmohnverwandten (Papaver somniferum): Aus seinem Milchsaft erfolgt die natürliche Opiumherstellung. Sein Anbau ist in Deutschland genehmigungspflichtig. Er bewirkt Schlaf und auch Bewusstlosigkeit, sowie eine Hemmung des Atemzentrums. Deshalb glaubt man auch, dass im Schneewittchen-Märchen die Hexe Schlafmohn verwendete, um das schöne Schneewittchen zu vergiften.

Die Verwendung der Mohnblume

Mohnblumensamen eignen sich lecker zum Backen. Wer kennt nicht Mohnkuchen, Mohnstrudel und Mohnpielen? Auch das Mohnbrötchen darf auf dem Frühstückstisch nicht fehlen. Die tiefroten Kronblätter des Klatschmohns verwendete man aber zur Herstellung roter Tinte. Dazu überschüttete man die Blätter mit Essig und ließ sie mehrere Stunden in der Sonne ziehen.
Da die Mohnblumenfrüchte Samenkörner in einer Menge von 2.000 bis zu 5.000 enthalten, gilt sie als Fruchtbarkeitssymbol und war deshalb im alten Griechenland der Muttergöttin Demeter geweiht. Brautpaare überschüttete man daher auch mit reichlich Mohn, damit sie viele Kinder bekämen.

Er liebt mich, er liebt mich nicht…

Seinen deutschen Namen Klatschmohn hat der Papaver rhoeas von einem alten Liebesorakelspiel. Wem das Mageritenzupfen und die ewige Er liebt mich, er liebt mich nicht-Fragerei zu langwierig ist, faltet die feuerroten Mohnkronblätter zu einem kleinen Ballon zusammen und legt ihn sich auf die Handfläche. Klatscht man nun mit der anderen Hand auf den Mohnblumenballon ein, sollte die Luft mit einem Knall wieder entweichen. War es laut? Dann ist die Gegenliebe des Angebeteten oder der Angebeteten besonders groß. Bei einem leisen Mohnausatmen ist die Liebeserwiderung hingegen eher zweifelhaft.

Schon im alten Ägypten galt die Mohnblume eher als Todesblume. Ihre schnell veblühenden Blätter gelten als Vergänglichkeitssymbol und die blutrote Farbe steht für das Blut Christi. Im persischen Sprachraum symbolisiert der Klatschmohn jedoch die Liebe und seine schwarze Pollenmitte dagegen das Liebesleiden.

Die Mohnblume für Kriegshelden

Doch ist der Klatschmohn nicht nur Symbol für Tod und Liebe: Er ist auch ein Gedenken an gefallene Soldaten. Im Ersten Weltkrieg blühte auf den frisch aufgeschütteten Soldatengräbern nämlich als erstes der Klatschmohn. Erwähnt wird dies in John McCraes Gedicht In Flanders Field. Der englische Kriegsgedenktag Rememberance Day am 11. November trägt deshalb auch den Namen Poppy Day: Gegen Spenden werden künstliche Mohnblumen ausgeteilt und am Revers angesteckt.
Tatsächlich verschwand durch das ständige Soldatenmarschieren und des andauernden Bomardements der Klatschmohn während des Ersten Weltkriegs auf vielen Ackerfeldern und Wildwiesen. Erst nach Kriegsende begann er wieder in Fülle zu blühen.

Im polnischen Lied Czerwone Maki na Monte Cassino (deutsch: Roter Mohn am Monte Cassino) aus dem Zweiten Weltkrieg symbolisiert die Mohnblume das vergossene Blut der polnischen Soldaten in der Schlacht von Monte Cassino, die auf Grund ihrer hohen Verluste in vielen Ländern als Sinnlosigkeit des Krieges steht. In Polen glorifiziert man mit dem Lied jedoch den Heldenmut und die Aufopferung der Soldaten. Deshalb zählt der Mohn auch als polnische Nationalblume.

Mohnsommer im Strauß

Mohnblumen aus der Natur haben nur eine kurze Blühzeit. Pflückt man die Blumen und stellt sie sich in die Vase, welken sie schneller als man bis drei zählen kann. Zwar gibt es verschiedene Tricks um den Welkeffekt zu verzögern, aber eignet sich eine künstliche Mohnblume für einen Strauß besser. Klatschmohn versteht sich mit anderen Wiesenblumen wie Margeriten, Wiesenkerbel, Kornblumen und Disteln wunderbar. Eine Sommerkombination ergibt sich mit Sonnenblumen, Margeriten, Kornblumen und einzelnen Weizenähren. Eine fröhliche Gerbera oder eine bescheidene Gemeine Pfingstrose ergänzt das Sommerbild noch mehr. Die Mohnblume mag aber auch Chrysanthemen oder der Rosenkönigin. Ein wilder, feuriger Partner wäre jedoch auch die orangene Tigerlilie.

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