Maiglöckchen – Die kleinen, großen Glücksbringer

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Maiglöckchen – Die kleinen, großen Glücksbringer

Das Maiglöckchen ist die kleine bescheidene Schwester der Lilie: Tatsächlich wirkt sie mit ihren kleinen, weißen, sich neigenden und nickenden Blüten viel demütiger, scheuer. Sie ist auch kein Alleinblüher. Am liebsten blüht sie in Gesellschaft von anderen Maiglöckchen. Sie verkündet nicht nur Frühling und Sommer. Leben. Ihr Blattgrün trägt auch die Hoffnung und ihr Blütenweiß Reinheit. Ihren großen Tag feiert sie am 1. Mai in Frankreich. Am jour du muguet. Als kleiner, großer Glücksbringer.

Name: Maiglöckchenmaiglöckchen_vase_steckbrief_artfleur
Botanischer Name: Convallaria majalis
weitere Namen: Marienglöckchen, Maischellchen, Frauentränen, Marientränen, Maililien
Familie: Spargelgewächse
Ursprungsland: Europa, Nordamerika
Blütenfarbe: weiß, rosa
Merkmale: Glockenblüten, rote, giftige Beeren
Nationalblume: Finnland
Symbolik: Glück, Liebe, Heil der Welt, Ende allen Kummers
Blumensprache: Du allein bist in meinen Gedanken. / Deine Unschuld entzückt mich.
Geburtsblume für den Monat: Mai

Glück hat viele Maiglöckchennamen

Der Botanikername Convallaria majalis leitet sich vom lateinischen convalis ab (dt. Talkessel). In alten Pflanzenbüchern trägt sie auch noch den Namen Lilium convallium und erklärt den englischen Namen Lilly of the valley (dt. Lilie der Täler). Der spätere Beiname majalis trug zum heutigen Maiglöckchennamen bei, sowie ihre kleinen, weißen Glockenblüten.

Sowie der Mai als Marienmonat gilt, ist auch das Maiglöckchen eine Marienblume: Maria vergoss bei ihrem gekreuzigten Sohn bittere Tränen und aus ihnen sprossen die ersten Maiglöckchen. So die Legende. Deshalb wird die kleine Lilienschwester auch Marientränen oder Frauentränen genannt. Katholische Häuser richteten im Maimonat oftmals einen Altar mit einer Madonnenfigur und einem Maiglöckchenbund ein.

Überbringer von Leben und Tod

Das Maiglöckchen ist aber nicht nur ein Marienattribut. Unsere germanischen Vorfahren weihten es der Morgenrot- und Frühlingsgöttin Ostara. Ihr zu Ehren verbrannte man das kleine Maiglöckchen im prasselnden Osterfeuer.
Doch fanden auch Ärzte des späten Mittelalters Gefallen an der süßduftenden Blume: Ihre Heilwirkungen begeisterten sie sosehr, dass sie sich mit ihr porträtieren ließen. Zu den berühmtesten ärztlichen Maiglöckchenbewunderern gehörte Nikolaus Kopernikus. Das Maiglöckchen eignet sich nämlich hervorragend als Heilmittel für leichte Herzschwäche und wird gerade von der Pharmaindustrie wiederentdeckt.

Doch ist sie nicht nur ein salus mundi (dt. Heil der Welt), sie ist auch giftig. Die weihnachtlich aussehenden Rotbeeren enthalten ähnliche Giftstoffe wie der Fingerhut und Agatha Christie verwendete Maiglöckchenwasser sogar als Mordmittel in ihrem Kriminalroman. Mord mit Maiglöckchengift ist aber eher die Ausnahme. Aber für Brechreiz und Hautreizungen sowie als Abführmittel reicht es allemal. 2014 erhielt das Maiglöckchen sogar den Titel als Giftpflanze des Jahres.

Jour du muguet – Tag der Maiglöckchen

In Deutschland beherrschen Demokundgebungen von Gewerkschaften, Maikrawalle, Maibäume und –tänze den 1. Mai. Unser Nachbar Frankreich feiert neben dem Arbeiter jedoch auch das kleine Maiglöckchen: Niemand kann sich am Maifeiertag der kleinen Lilienblume entziehen, sie ist allgegenwärtig: Sie liegen zweigeweise mit dem knusprigen Baguette zusammen im Einkaufskorb, schauen aus dem Knopfloch heraus oder füllen mit der französisch-typischen Zigarette die Hände. Niemand kommt am Maifeiertag ohne die kleine Blume nach Hause.
Die Tradition des Maiglöckchenschenkens stammt ursprünglich aus dem Jahre 1561: Damals schenkte König Charles IX allen Damen des Hofes ein Maiglöckchen. Also Glück. Den Bund mit dem Tag der Arbeit ging die Blume jedoch erst 1941 ein: Marschall Pétain rief den 1. Mai in diesem Jahr zum „Tag der Arbeit und der sozialen Einheit“ aus und ersetzte die rote Mohnblume als bisheriges Symbol des Tages der Arbeiter mit dem Maiglöckchen.

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In solchen Körben werden Maiglöckchen am Maifeiertag an jeder französischen Straßenecke verkauft

Am Maifeiertag darf jeder, überall in Frankreich Maiglöckchen am 1. Mai verkaufen. Ob gewerblich aus Nantes (83 Prozent aller Maiglöckchen stammen aus dem professionellen Verkauf von dort) oder privat aus Großmutters Garten. Als Zweig (un brin), im Topf (un pot) oder als teuer-schönes Maiglöckchenarrangement. Steuerfrei. Da klingeln nicht nur die Maiglöckchen. Sondern auch die Kassen.
So völlig ohne Regeln verläuft der Maiglöckchenverkauf jedoch nicht: So darf die kleine Lilienschwester in Paris nur alleine verkauft werden; Rosen oder Päonien sind als Gesellschaft unerwünscht. In der Bretagne darf sich das die kleine Blume nicht in Zelleophan oder Papier verstecken. Andere Städte wiederum verbieten Verkaufstische oder Marktschreierrufe. Auch dürfen die Maiglöckchenverkäufer sich nicht neben dem professionellen Blumenladen aufstellen.

Die vielen Maiglöckchentalente

Maiglöckchen kann man pur genießen. Aber auch in Sträußen. Auf Hochzeiten, Kommunionen oder Konfirmationen sind sie der stille Star in den Kirchen und auf den Tischen. Da das Maiglöckchen nicht gerne allein ist, verträgt es sich auch gut mit Rosen, Flieder und dem bescheidenen Vergissmeinnicht. Es ersetzt edel das Schleierkraut in Mischsträußen. Gerade die Kunstblumenvariante lässt sich auch mit Spätsommerblühern und Herbstblumen kombinieren, ja sogar zur Weihnachtszeit als Schneetropfen zwischen den Weihnachtssternen.
Zwischen goldenen Vintagerahmen, in puderfarbigen Körbchen oder auf dem kolonialen Sideboard bezaubern die Maililien als Rosenpartnerin oder in einem puren kleinen Sträußchen im Shabby Chic Stil.

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