Lavendel – Das kleine lila Wunder

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Lavendel – Das kleine lila Wunder

Der Lavendel ist ein 50 cm hoch wachsender Alleskönner. Er macht sich nützlich in vielen Lebenslagen: als Heilpflanze, als Gewürzkraut, als lieblicher Duftverströmer und als Zierpflanze in den eigenen vier Wänden.

Name: Lavendel
Botanischer Name: Lavandula augustifolia
Andere Namen: Speik
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae oder Labiatae)
Anzahl der Arten: ca. 40 Arten
Ursprungsland: Mittelmeerraum
Blütenfarbe: violett, blau
Merkmale: grüne bis graue lanzettenartige, behaarte Blätter, ährige Blütenstände
Nutzung: Heilpflanze, Zierpflanze, Küchengewürz, Duftpflanze
Symbolik: Reinheit, Romantik, Schutz
Nationalblume: Portugal
Blumensprache: Ich werde mein Ziel schon noch erreichen oder Ganz so möchte ich sein, wie Du mich am liebsten willst
Hanakotoba: Treue

Lavendel – der Name ist Programm

Die Herkunft des Lavendelnamens ist nicht ganz eindeutig. Vielfach geht man davon aus, er leite sich von dem lateinischen Wort lavare (dt. waschen) ab. Eine Bestätigung hierfür findet man aber in dem schon zu Römerzeiten dokumentierten Gebrauch des Lavendels als Badezusatz und in seiner Symbolik für Reinheit.
Genauso gut kann man den Namen jedoch auch vom lateinischen levare ableiten, was dem deutschen erleichtern, mildern und lindern entspricht und auf die Heilwirkungen des Lavendels anspielt. So oder so: Sein Name ist auf jeden Fall Programm.

Im Alpenraum hingegen bezeichnet der Aliasname Speik Gebirgspflanzen mit zusammen gesetzten Blütenständen. Ihre Wortwurzel hat die Bezeichnung im lateinischen spica (dt. Ähre, Nardenähre). Allerdings umfasst der Speikname nicht nur den Lavendel, sondern unter anderem auch die Bittere Scharfgarbe (Weißer Speik) und die Teufelskralle (Frauenspeik).

Sonnenliebhaberin Lavendel

Der Lavendel liebt es in der Sonne zu baden. Deshalb wächst er besonders gerne an vollsonnigen Plätzen, mit kalkhaltigen Böden, die Wasser möglichst schnell absorbieren. Denn wenn es etwas gibt, was er überhaupt nicht mag, dann ist es Staunässe. Deshalb liegt ihre natürliche Heimat auch in Griechenland, Südfrankreich und Italien. Am bekanntesten ist wohl die französische Provence, die vor Lavendelfeldern nur so strotzt.
Bienen sind übrigens auf Grund seines hohen Nektar- und Pollengehalts ganz verliebt in den Lavendel.

Soldatenfreund und Pestgegner

Die Spuren des Lavendel sind alt. Sie lassen sich bis zu den Zeiten der alten Ägypter zurückverfolgen: Sie balsamierten ihre toten Pharaonen mit Lavendelöl ein. Auch im alten Rom fand Lavendel reiche Anwendung. So berichtet Plinius uns, dass schon die Römer ihr Badewasser mit ihm parfümierten. Auch als zeremonielles Räucherkraut setzte man ihn ein. Im alten Griechenland schmückte man auch die den Göttern zu opfernden Jungfrauen mit Lavendel.

Ein richtiger Freund war der Lavendel lange Zeit den Soldaten: Sobald eine Schlacht nahte rieben sich die römischen Rüstungen mit Lavendelöl ein, um sich selbst Ruhe, Mut und Zuversicht zu schenken. Im Ersten Weltkrieg dagegen diente er den Soldaten zur Wundbehandelung, da ein Mangel an Desinfektionsmittel bestand und er antifungizid, antibakteriell und auch krampflösend wirkt. Deshalb gewann er auch eine gewisse Popularität zu Pestzeiten: Man streute ihn auf dem Boden aus und Diebe rieben sich mit dem so genannten „Vier-Diebe-Essig“ ein, ehe sie in Häuser von Pestopfern einbrachen. Um den Gestank von Krankheit und Tod, den die Pest mit sich brachte, Herr zu werden, verkaufte man ganze Lavendelbündel in den Straßen.

Am Hofe des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. gewann die Lavendelähre einen eher vulgären Beigeschmack: Begehrte der König nämlich eine Dame, sandte er ihr eine in Ambra getränkte Lavendelblüte. Stimmte sie seiner Lust zu, so schob sie sich in Ludwigs Beisein diese Ähre in den Mund. Auch zwischen Napoleon und seiner Josephine war ein Parfüm aus Lavendelöl, Bergamotte und Citrusöl ihr Liebesduft.
Bei Malern wie der berühmte Rubens genoss der Lavendel übrigens auch Beliebtheit: Sie verbesserten mit ihm die Qualität ihrer Farben.

Großer Beschützer vor allem Bösen

Eine alte, wirkungsvolle und wohlduftende Pflanze wie der Lavendel ist natürlich auch mit allerhand Aberglaube verbunden. Im Mittelalter wimmelte es nur so von Teufelswerk und Hexen, ein bisschen Lavendel konnte da schon helfen, denn es soll Unheil und das Böse abwehren. Auch erzürnte Götter konnte es wieder milde stimmen. Allerdings glaubte man auch, trüge man ein paar Lavendelähren bei sich, könne man Geister sehen. Eine Glücksbringerfunktion erhielt grüner Lavendel bei englischen Bräuten, knüpften sie sich aus ihm ein Strumpfband. Gleichzeitig sollte es sie auch wieder vor dem Teufel und vor Hexen beschützen. Einen Wunschbrief, den man mit Lavendel einrieb, sollte in Erfüllung gehen.

Heilpflanze Lavendel

In der heutigen von Hektik, Stress und vielfältigen Reizen geprägten Welt suchen viele Menschen nach Ruhe und Entspannung. All das verspricht der Lavendel. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass er im Jahre 2008 den Titel Heilpflanze des Jahres erhielt. Denn Lavendel beruhigt und hilft bei Einschlafstörungen und Depressionen. Auch Magenbeschwerden wie Vollegefühl und Blähungen lindert er.

Wie bereits erwähnt, setzte man ihn wegen seiner desinfizierenden Wirkung auch gegen Cholera und die Pest ein. Man reinigte die Böden mit ihm und streute ihn aus. Somit blieben Pestverbreiter wie Ratten und Flöhe fern. Im 12. Jahrhundert empfahl auch die Benediktinerin Hildegard von Bingen Lavendelextrakt gegen Kopfläuse. Gegen Lungenbeschwerden schwor sie dagegen auf Lavendelwein oder mit Honig und Wasser gekochten Lavendel. Allerdings hilft er auch bei Kopfschmerz. Königin Elisabeth I. trank mit Lavendeltee gegen ihre Migräne an.

Sonne und Urlaub im Geschmack

Lavendel heilt nicht nur, er schmeckt auch noch. In der mediterranen Küche ist er gar ein Teil der berühmten Gewürzmischung „Kräuter der Provence“. Der blaue Alleskönner aromatisiert aber nicht nur Fleisch- und Fischgerichte, er kann auch Obstsalaten und Honig eine ganz spezielle Note verleihen. Auch in Kuchen oder Eis schmeckt er hervorragend. Besonders raffiniert würzt er jedoch Gorgonzola, Weichkäse und Ziegenkäse. Sein Geschmack erinnert vor allem an Sonne und Urlaub.

Selber herstellen kann man aber auch Lavendelsalz oder Lavendelzucker. Er schmeckt nicht nur einmalig, in kleinen Schälchen dargereicht sieht er auch noch dekorativ aus. Ein bisschen Urlaubsstimmung im Glas bereitet man sich mit Lavendel-Limonade oder auf dem Brot mit Lavendelmarmelade.

Dekoaccesoire Lavendel

Lavendelkissen oder kleine Lavendelsäckchen duften nicht nur gut und helfen beim Einschlafen, sondern halten auch kleine Störenfriede wie Motten und Milben aus Kleiderschrank und Bett. Viele Seifen, Duftkerzen und Parfüms enthalten Lavendelessenzen und erinnern uns somit an den Sommer. Auch im Katzenstreu neutralisiert er die unangenehmen Gerüche. Ist das nicht dufte vom Lavendel?

Auch als Dekoaccessoire kann ihm fast jeder Einrichtungsstil etwas abgewinnen. So verleihen runde oder herzförmige Lavendelkränze, getrocknete Lavendelähren in Gläsern und auf dem Tisch gestreut oder gemalte und gedruckte Lavendelmotive dem rustikalen Landhausstil das gewisse, sommerliche Etwas.
Das sanfte Dämmerungsviolett gehört aber auch zur Farbpalette des Shabby-Chic. Es bildet einen schönen Kontrast in upgecyclten Konservendosen, in Vintage-Milchkannen und im zerbeulten kleinen Eimerchen. Lavendel symbolisiert außerdem Romantik. Daher ist es eine shabbychic-gute Idee, Stumpenkerzen in Windlichtern auf getrockneten Lavendelähren zu betten.
Im Französischen Stil ist Lavendel sogar ein fester Bestandteil. Nicht nur als Farbe, sondern auch sein charakteristischer Duft.
Da seine Blüten nicht pompös erblühen, sondern eher als zurückhaltende Farbtupfer in der Wohnung leuchten, fügen sie sich auch in den nüchternen Industrial Style problemlos ein.

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