Kirschblütenzauber

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Kirschblütenzauber

Der Zauber der Kirschblüte findet nicht nur im Frühling statt. Heute, am 4. Dezember pflückt man wieder Kirschbaumzweige und wartet gespannt den Advent ab, ob sie an Weihnachten prachtvoll aufblühen und Glück für das nächste Jahr verheißen.

kirschblüte steckbrief

Name: Kirschbaum
Botanischer Name: Prunus avium
Weitere Namen: Kirschblüte
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Herkunft: Asien
Rinde: gräulich bis rotbraun
Holz: mittelhart, rot bis braun
Blattform -farbe: oval, laufen spitz zu, färben sich im Herbst rot ein
Alter: 30 – 90 Jahre
Symbolik: Reinheit, Schönheit, Neuanfang, Hoffnung, Glück, Fruchtbarkeit
Hanakotoba: Vergänglichkeit, Sanftmut, Freundlichkeit


Reise nach Europa

Die prächtige Blüte lässt es vermuten: Der Kirschbaum gehört zu den Rosengewächsen. Kommt allerdings ganz ohne Dornen aus. Schätzungsweise blühen an einem Kirschbaum bis zu einer Million rosa oder weißer Blüten dicht beieinander. Kein Wunder, dass die Baumkronen im Frühling wie flauschige rosa Wolken aussehen!
Bei den Kirschbaumarten unterscheidet man in Süß- und Sauerkirsche. Wobei die Obstfrüchte dann in den Sommermonaten Juni und Juli ausreifen. Als Mutter aller Kirschbäume gilt jedoch die Wilde Vogelkirsche (Prunus avium).

Ursprünglich beheimatet war der Kirschbaum in Asien. Manche Gelehrte gehen von Himalaya aus. Im Jahre 74 vor Christus brachte der römische Feldherr Lucius Licinius Lucullus zum ersten Mal Kirschen nach Italien. Sie stammten aus der nordöstlichen Türkei, im Schwarzmeerraum, aus dem damaligen Kerasus (heute Giresun). Die Stadt ist auch Namensgeber für die Kirsche: Im französischen cherise, im spanischen cereza, im türkischen kiraz und im polnischen czereśnia sieht man den etymologischen Ursprung zu Kerasus (auch: Cerasus) besonders gut.


Der Barbarazweig

Am 4. Dezember gedenkt man in der katholischen und orthodoxen Kirche der Heiligen Barbara. Der Legende nach starb Barbara von Nikomedien im Jahre 306 nach Christus den Märtyrertod. Einige Quellen berichten, ihr Vater ließ sie ins Gefängnis werfen, weil sie zum Christentum übertrat. Andere wiederum erzählen, sie weigerte sich einen heidnischen Ehemann zu nehmen. Jedenfalls verfing sich auf dem Weg ins Gefängnis ein Kirschblütenzweig in ihrem Gewand. In ihrer Zelle tränkte die Heilige Barbara den bereits verdorrten Zweig mit Wasser aus ihrer Trinkschale. Am Tage ihrer Hinrichtung blühte er aber prächtig und wiedervoll wieder auf. In dem neu aufblühenden Kirschzweig sehen die Christen eine Analogie zum Leben nach dem Tod.

Vielerorts sammelt man auf Grund dieser Legende je nach Region verschiedene Blütenzweige, z. B. Apfel-, Pflaumen-, Birken- oder Forsythienzweige. Die bekannteste und traditionellste Variante ist jedoch der Kirschblütenzweig. Der Volksglaube erzählt, blüht der gepflückte Zweig an Heiligabend in der warmen Wohnung auf, so ist man im kommenden Jahr mit Glück gesegnet. Christlich gesehen, kann der an Heiligabend aufblühende Kirschblütenzweig auch für die Geburt Jesu‘ stehen. Für die Hoffnung, die sie in die Welt gebracht hat.

Der Barbarazauber

Mancherorts bricht man nicht nur einen Zweig und stellt ihn in die Wohnung, sondern man stellt einen ganzen Barbarabaum (auch Weihnachtsmaien) auf. Er besteht dann aus mehreren Zweigen der Kastanie, Birke oder Obsthölzern wie der Kirsche und man schmückt ihn wie einen kleinen Weihnachtsbaum mit kleinen Kugeln, Nüssen oder Äpfeln. Im 18. Jahrhundert erfreute sich dieser Brauch einer solchen weiten Beliebtheit, dass der Bayreuther Markgraf die Barbarabäume verbieten musste. Sosehr plünderte man die Obstbäume aus.

Den Barbarabrauch nutzten viele ledige Mädchen auch als Liebesorakel: Sie banden die Namen ihrer Verehrer an die Zweige. Der als erstes aufblühende Zweig wies auf den zukünftigen Bräutigam hin. Man nutzte den Barbarabaum aber auch um die Ernte oder sogar Lottozahlen vorauszusagen.

Die Kirsche – Sünde oder Himmelsfrucht?

Die Früchte der Kirschblüte verdammte die Kirche jedoch auf Grund ihrer roten Farbe und ihren Attributen der Leidenschaft und Liebe zur Sündenfrucht. In der antiken Mythologie stellten Kirschen dagegen Früchte des Himmels dar.
Die Kirschblüte ordnete man der Fruchtbarkeitsgöttin Artemis als Attribut zu. Deshalb war sie auch Teil des antiken Fruchtbarkeitskults. Noch bis zum 18. Jahrhundert dienten Kirschzweige und -kerne als Aphrodisiakum und als Teil von Liebeszaubern.
Außerdem wird ihr eine starke Verbindung zum Weiblichen nachgesagt. Deshalb schüttete man auch das erste Bedewasser eines neugeborenen Mädchens an einem Kirschbaum oder über die Wurzeln des Kirschbaumes aus. Es sollte dann schön und edel werden.
An Kirschbäumen treiben sich auch besonders gerne Elfen und die Geister der Verstorbenen herum. Besonders in Vollmondnächten, wenn die Rinde des Baumes silbern schimmert. Aber Vorsicht! Man sollte sie niemals bei ihrem Untreiben rund um den Stamm beobachten, denn das mögen sie gar nicht.
Legenden berichten auch, dass Buddha unter einem Kirschbaum geboren wurde. Um der Mutter zu helfen, ließ der Baum einen Ast hinunter, an dem sie sich festhalten konnte.

Kirschen in aller Munde

Schon bei den Römern und bei den lukullschen Mählern galt die Kirsche also als selten und kostbar. Im Mittelalter entstand dann die Redewendung „Mit dem ist nicht gut Kirschen essen“. Auch damals konnten sich nur die reichen Leuten Kirschen leisten. Das Kirschenessen wurde bei ihnen regelrecht in geselligen Treffen zelebriert. Kamen jedoch unerwünschte Gäste oder Leute, die nicht dem gesellschaftlichen Stand entsprachen, hinzu, bespuckte man sie mit Kirschkernen oder den Stielen. Bis sie wieder verschwanden. Denn mit ihnen war eben nicht gut Kirschen essen.
Da Kirschen wie der Apfel von der Kirche als Frucht der Sünde erklärt wurden, entwickelte sich noch eine andere Redewendung: „Die Kirschen in Nachbars Garten“. Damit bezeichnete man verschleiert den verbotenen Liebesgenuss.


Die Kirschblüte und die Japaner

In Japan ist die Kirschblüte beinahe ein Nationalsymbol. Fast wie die Nationalblume Chrysantheme. Von Mitte März bis in den Mai hinein dreht sich alles um Hanami, der Kirschblütenschau. Sie ist etwas wie Japans fünfte Jahreszeit, in der sich die Japaner unter den Kirschblüten treffen und ein Picknick veranstalten. Mit dem Reiswein Sake und Obentos mit traditionellen Speisen. Frauen tragen zu diesem Anlass auch oftmals den traditionellen Kimono.

Seinen historischen Ursprung hat Hanami in der chinesischen Kultur. Japans Zivilisation ist nämlich aus China geboren. Während die Chinesen nämlich die Pflaumenblüte feierten, pflanzte man in Japan später die Kirschblüte. In der Heian-Periode (794-1185) begann der Kaiserhof damit, Feste unter den blühenden Kirschbäumen zu feiern. Man glaubte damals nämlich, in den Bäumen lebten die Götter. Die Kirschblüte sah man daher als Beginn zum Reispflanzen an. Deshalb brachte man den Baumwurzeln auch Opfergaben dar.
Spätter begannen auch die Samurai das Hanami zu begehen und erst im 17. Jahrhundert, in der Edo-Zeit, durfte auch das normale Volk das Kirschblütenfest feiern.

Die Bedeutung der Kirschblüte

Bei der japanischen Kirschblütenpracht handelt es sich um die Zierkirsche. Diese Kirschbaumart trägt keine Früchte. Dafür umso mehr Blüten. Mit zunehmendem Alter vermehren sie sich sogar. Diese „Blüte des Lebens“ versinnbildlicht auch die japanische Wertschätzung gegenüber Älteren und dem Alter.
Andrerseits sind Kirschblüten sehr verletzlich. Regen und Wind können ihnen sehr schnell zum Feind werden. Das erinnert die Japaner auch an das eigene vergängliche und zarte Leben: Durch einen Unfall, einen Schicksalsschlag kann es sich ganz schnell ändern oder auch für immer vergehen.
Während verschiedener Kriege brachte man die fallenden Kirschblüte sinnbildlich mit den Soldaten in Verbindung, die für den Kaiser ihr Leben ließen. Besonders im Zweiten Weltkrieg missbrauchte man diese Symbolik für die japansichen Kamikazeflieger.

Das frühlingshafte Erwachen nach einem Winter und der Neubeginn die die Kirschblüte symbolisiert, repräsentieren auch einen wichtigen Lebensbereich der Japaner: So beginnt am 1. April das neue Schuljahr bzw. es wird eingeschult. Ferner ist die Kirschblütenzeit eine beliebte Zeit für eine Heirat. Ein traditioneller Hochzeitsbrauch stellt dabei das Trinken eines Tees aus Kirschblüten dar. Der Tee soll dem Brautpaar Glück und Segen schenken.

Mehr als nur ein Symbol

Die Kirschblüte kann aber nicht nur als Tee getrunken werden. Die Japaner sind so verrückt nach ihr, dass sie Kekse, Reiskuchen (mochi), Reisbällchen (onigiri) und selbst Sandwich mit Kirschblüten essen. Sogar ein Eis mit Kirschblütengeschmack gibt es.
Die Yoshinokirsche gehört zur berühmtesten japanischen Zierkirschenart und ist in Japan außerdem ein beliebter Mädchenname. Während Sakura einfach nur die Kirschblüte an sich bezeichnet und ein mindestens ebenso beliebter Vorname ist.

Die Kirschblüte ist auch die Pflanze Tokios. Wen wundert es da, dass sie auch gerne für die japanische Bonsaikunst verwendet wird? Hierfür werden zumeist die Arten Sauerkirsche (Prunus cerasus), Vogelkirsche (Prunus avium) und natürlich die Japanische Blütenkirsche (Prunus serrulata). Im Frühling kann man eine Mini-Kirschblüte bewundern und im Herbst färbt sich das Laub kirschrot ein.

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