Traditionspflanze Heidekraut

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Traditionspflanze Heidekraut

Das Heidekraut ist eine Schwellenpflanze. Sie steht zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Leben und Tod. Zwischen Sommer und Winter. Das alles macht sie zu einer beliebten Herbstpflanze, um die sich viele Legenden, Aberglaube und Traditionen ranken.

Name: Heidekraut
Botanischer Name: Calluna vulgaris
Andere Namen: Besenheide, Erika, Besenkraut, Brauttreue, Brandheide, Sommerheide
Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Anzahl der Arten: 800 Arten innerhalb der Ericaceae-Familie
Ursprungsland: Mittel- und Nordeuropa
Blütenfarbe: Violett, Rot, Rosa, Weiß
Merkmale: immergrüne Blätter, kleine lila Kelchblätter
Symbolik: Sünde, Verdammnis, Einsamkeit, Heim und Familie, Leiden (rote Heide), Glück (weiße Heide)

Lebensraum Heide

Die Besenheide (Calluna vulgaris) ist in ihrer großen, aus 800 Arten bestehenden Ericaceae-Familie eine Einzelgängerin. Oftmals bezeichnet man sie auch als Erica bzw. Erika, wie die ganze Heidekrautfamilie auch gerne mundartlich genannt wird.
Wie alle Heidekräuter liebt sie saure und trockene Böden. Unter Idealbedingungen kann sie dort bis zu vierzig Jahre alt werden. Ansonsten wird sie nach zwanzig Herbsten allmählich holzig, so sagt man ihr nach. Für sehr viele, teilweise seltene Insekten ist das Heidekraut eine verlässliche Futterquelle und Brutstätte und Landschaften wie die berühmte, deutsche Lüneburger Heide geben gefährdeten Vogelarten wie dem Birkhühner, dem Raubwürger oder dem Ziegenmelker ihren Lebensraum.

Blume des Jahres 2019

Ähnlich wie die sommerlichen Lavendelfelder in Frankreich und anderen mediterranen Ländern, sind die Heidelandschaften in Norddeutschland und in England, Schottland und den Niederlanden ein wahrer Augenschmaus. Doch sind diese Traumlandschaften durch intensive Landwirtschaft und Unternutzung gefährdet. Die Besenheide wächst außerhalb von Schutzgebieten immer seltener im Vergleich zu noch vor 100 Jahren und steht deshalb auch auf der Hamburger Roten Liste der bedrohten Arten. Darauf möchte die Loki-Schmidt-Stiftung dieses Jahr besonders aufmerksam machen und ernannte sie deshalb zur Blume des Jahres.

Weithin unbekannt ist auch der Umstand, dass die schönen Heidelandschaften eine intensive, aufwändige Pflege benötigen. Früher grub man zur Erhaltung der Heidelandschaften die Pflanzen beim so genannten Plaggehauen mitsamt ihrer Wurzeln aus. Die Plaggen verwendete man anschließend als Dachbedeckung für Haus und Stall. Heute pflegt man die Heiden eher mit schweren Maschinen. In Norddeutschland setzt man jedoch auch noch auf Heidschnucken. Sie beißen Unkraut ab und zertreten auch die Spinnweben, damit Bienen ungestört den wohlschmeckenden Heidehonig sammeln können.

Heidebesen kehren gut

Der Name des Heidekrauts hat viele Ursprünge. Die botanische Bezeichnung calluna entstammt dem Griechischen kalyenein (dt. „reinigen, schönmachen“). Ihre volkstümlichen Name Besenheide und Besenkraut verdankt sie ebenfalls einem reinigenden Umstand: Aus den holzigen, von den Schafen verschmähten Trieben ließen sie sich getrocknet und gebündelt zu Kehrbesen binden.
Gleichzeitig fungierte die Heide auch als Namensgeberin: Denn Heiden sind in grauer Vorzeit für die Christen auch die noch nicht zum Christentum konvertierten, gewesen. Diese Ungläubigen lebten damals in den einsamen, kargen Gebieten. In der Heide eben. Dieser Umstand prägte auch die negative Symbolik der Heide für Sünde und Verdammnis, genauso wie für Einsamkeit.
Die Kelten dagegen nannten das Heidekraut fraoch (dt. Tapferkeit, Entschlossenheit), denn die Pflanze war eine häufige Begleiterin im Kampf.

Das Heidekraut als Grabwächter

Doch nicht nur im Krieg trug man das Heidekraut bei sich, die Heidelandschaften nutzte man auch gerne um Schlachten auszutragen. Davon erzählen noch die Hünengräber. Ein weit verbreiteter Volksglaube erzählte deshalb auch, die roten Heideblüten seien vom vergossenen Heldenblut gefärbt.
Auf Gräbern sieht man die Besenheide auch heutzutage ziemlich oft. Besonders an Feiertagen wie Allerheiligen ist sie ein beliebter Grabschmuck. Ihr geheimnisvoller Ruf als Schwellenpflanze verbindet sie auch mit allerhand Aberglauben: So glaubte man, Heidekraut könne Wissen über die Anderswelt vermitteln. Eine weiße Heidenähre unters Kopfkissen gelegt, lässt Träume wahr werden. Für die Abwehr des Bösen und insbesondere von Hexen hängte man sich einen Heidekranz im Raum auf. Ein versteckter Zweig hinter dem Spiegel verhinderte dagegen Blitzeinschläge. In Schweden darf man das Heidekraut unter keinen Umständen mit ins Haus oder in die Wohnung bringen, denn es steht für den Tod.
Wetterorakeln kann sie übrigens auch: Blüht sie nämlich bis zur Spitze voll auf, wird der Winter besonders kalt. Das Verbrennen gemeinsam mit Farn vor dem Haus dagegen soll Regen heraufbeschwören.

Weißes Heidekraut – Schottisches Glückskraut

Auch in Schottland hat das Heidekraut eine lange Tradition und macht der Distel als Nationalpflanze ziemliche Konkurrenz. Auf Grund ihrer Seltenheit und schottischem Legendengut gelten weiße Heideblüten als Glücksbringer. Im 16. Jahrhundert glaubte auch der schottische Clan Ranald eine Schlacht nur gewonnen zu haben, da sie weiße Heide bei sich trugen. Weiße Heiden, so glaubte man außerdem, seien die Ruhestätten für Elfen. Deshalb durfte man auf ihnen auch kein Blut vergießen. Noch heute pflanzen die Schotten Heidekraut um Obstbäume, damit diese eine reiche Ernte bringen.

Schottische Legenden und Poesie um das Heidekraut
Eine schottische Legende erzählt, Geschichte des Kriegers und Sohn des Ossian, Oskar, und seiner Braut Malvina. Als Oskar in der Schlacht fiel, brachte ein Bote ihr Heidekraut als Zeichen für Oskars Liebe. Malvina begann zu weinen und ihre Tränen färbten die Heideblüten weiß. Obwohl sie Trauer und Kummer trug, wünschte und hoffte für alle, die jemals weißes Heidekraut fanden Glück.
In einem Gedicht des schottischen Schriftstellers und Dichters Robert Louis Stevenson, der vor allem für seinen Roman Die Schatzinsel bekannt wurde, geht es jedoch nicht um die weiße Heide. Sondern um Heather Ale (dt. Heidebier). So erzählt es von den Schotten, die die Pikten in einer Schlacht besiegten. Sie drängten den König und seinen Sohn auf eine Klippe und verlangten lautstark das Rezept für Heidebier. Der König versprach, es ihnen zu verraten, sobald sie seinen Sohn töteten. Die Schotten warfen den Königssohn also ins Meer. Doch überlegte der König es sich anders und warf sich dann ebenfalls die Klippe hinunter. Und mit sich das Geheimnis um das Heidebier.

Auch in England bringen weiße Heideähren Glück. So schenkte Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen der Princess Royal Victoria zur Verlobung ein Stück weißes Heidekraut, um zunächst Anspielungen auf seine Hoffnungen und Wünsche zu machen, so schrieb Queen Victoria es in ihr Tagebuch. Die Königin popularisierte weiße Heideähren auch als Glücksbringer. Auch ihre Lieblingskatze trug den Namen White Heather.
Der berühmteste Engländer, Shakespeare, nutzte Heidelandschaften übrigens ebenfalls gerne als Schauplatz für seine Tragödien Macbeth und König Lear.

Heidenamen für jedermann

Das Heidekraut ist auch ein beliebter Vorname. Sowohl für Mann als auch für Frau. Das englische heather gehört zu den beliebtesten Mädchenvornamen im englischen Sprachraum. Für Männer ist hingegen Heath üblich, was auch als Kurzform für Heathcliff (dt. Heidefelsen) gebräuchlich ist.
In Deutschland begegnete man früher den weiblichen Vornamen Heide öfters. Genauso wie Heidrun. Daraus leitet sich die Koseform Heidi ab. Ein anderer Mädchenname, den man zum einem mit der Heidepflanze, zum anderen aber auch als weibliche Form des Männernamens Erik in Verbindung bringt, ist Erika. In der Zeit von 1920 – 1945 erfreute sich der Name innerhalb Deutschlands besonderer Popularität. Heute vergibt man Erika nicht mehr so oft, obwohl der Name international – insbesondere in Japan und Brasilien – beliebt ist. Auch die Fifty Shades of Grey – Autorin E. L. James heißt mit Vornamen Erika Leonard.

Heilendes Heidekraut

Neben seiner mythologischen und traditionellen Bedeutung gehört das Heidekraut ähnlich dem Lavendel und dem Eukalyptus auch zu den Heilpflanzen. im 19. Jahrhundert schätzte Pfarrer Kneipp seine vor allem blutreinigende Wirkung. Ein aufgebrühter Tee aus frischen Heideblüten wirkt gut gegen Rhema, Gicht, Blasenentzündung und Prostataleiden. Heidekraut besitzt auch eine schleimlösende Wirkung, deshalb kann es auch bei Erkältungen eingesetzt werden. Äußerlich aufgetragen hilft es auch bei Hautproblemen und Exzemen.

Das Heidekraut gehört wie die Sonnenblume und die Studentenblume auch zu den bienenfreundlichen Pflanzen. Tatsächlich gehört Heidehonig zu den besten Honigsorten. Er hat eine gelb-orangene, leicht bräunliche Färbung, ein starkes Aroma und hat einen kräftigen, süß-bitteren Geschmack. Vor allem ist er sehr vitaminreich und enthält VItamin A, B2, B3, B6 und C sowie Eisen. Er eignet sich hervorragend für Gewürzbrot, ist aber auch Bestandteil des schottischen Whiskys Drambuie.

Ein Heidenspaß für jeden Wohnstil

Optisch ähnelt das Heidekraut dem Lavendel. Deshalb eignet es sich mit dekorativen Bändern zu Bündeln gebunden gut in Körben oder auch in die upgecyclte Weinkiste und macht sie zu einer dekorativen Blume des verspielten Shabby Chics und des Landhaustils. Mit ihm lassen sich auch viele kreative Ideen: Ob Heidekrautwindlichter, heideverzierte Topfränder oder kleine Gestecke aus Heidekraut und Rosen, das Heidekraut bleibt ein Eyecatcher auf jedem Tisch oder auf dem Regal.
Die Farbtupfenblüte setzen auch in nüchternen, minimalistischen Wohnstilen wie der Industrial Style oder dem Purismus interessante Kontrapunkte und harmonieren auch mit Materialien wie Metall und Beton.

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