Fernostkönigin Chrysantheme

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Fernostkönigin Chrysantheme

Die Chrysantheme begegnet uns an Allerheiligen oftmals auf Gräbern. Dabei ist sie viel mehr als nur eine Friedhofsblume. In Deutschland gehört sie neben der Rose und der Tulpe zu den drei beliebtesten Schnittblumen. In den USA feiert man sie als Königin der Herbstblumen und die Japaner verehren sie als heilige Blume.

Name: Chrysanthemechrysantheme steckbrief
Botanischer Name: Chrysanthemum
Andere Namen: Oktoberrose, Winteraster, Goldblume, Kiku (japanisch)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Anzahl der Arten: 37 – 40
Ursprungsland: China
Blütenfarbe: rot, gelb, weiß, lila
Merkmale: körbchenförmige Blüten (gefüllt und ungefüllt)
Symbolik: glückliches Leben, Freude, Liebe, Trauer, Tod
Blumensprache: Mein Herz ist frei
Hanakotoba: Wahrheit, Trauer
Nationalblume: Japan
Geburtsblume für den Monat: November

Die Chrysantheme erobert die Welt

In China haben Chrysanthemen eine lange Tradition. Bereits zu Konfuzius‘ Lebzeiten (541 – 478 v. Chr.) zogen die Chinesen die Blume in ihren Gärten und Töpfen auf. Allerdings nicht nur als Zierpflanze. Sie wuchs zu einem festen Bestandteil der Heilkunst und auch der Küche heran. Sie gewann eine so große Popularität, dass eine Stadt ihren Namen trug: Ju-Xian (dt. Chrysanthemenstadt). Wie schon die Bonsai-Tradition, brachten buddhistische Mönche im 8. Jahrhundert die Chrysantheme nach Japan mit. Dort gewann sie schnell alle Herzen, eroberte sogar das Kaiserhaus und stieg im Jahre 1910 zur Nationalblume auf.

In Europa hatte die Chrysantheme leider nicht so einen leichten Weg: Zwar beschrieb der Botaniker Johann Philipp Breyne die Blume erstmalig schon im Jahre 1689, doch überlebte sie hier nicht lange, da man ihre Bedürfnisse nicht verstand. Im jahre 1753 kombinierte der Botaniker Carl von Linné die griechischen Wörter chrysos (dt. Gold) und anthemon (dt. Blume) zu ihrem heutigen Chrysanthemennamen. 1789 gelang ein Teilerfolg als der französische Kaufmann Pierre Louis Blancard drei Chrysanthemenarten aus China mitbrachte, von denen leider nur eine überlebte. Erste erfolgreiche Kultivierungsversuche gelangen dem britischen Pflanzensammler Robert Fortune erst nach 1846. Nachdem die Chrysantheme so einen langen Weg nach Europa zurückgelegt hatte, fing aber auch endlch ihr weltweiter Siegeszug an.

Die Blume eines langen Lebens

Vor allem in Japan und China steht die Chrysantheme für ein langes und glückliches Leben. Diese Symbolik verstärkt sich noch mehr, wenn die Chrysantheme mit ihren strahlenden warmen Farben der zunehmenden Herbstdunkelheit trotzt und auch die ersten Frosttemperaturen triumphal überlebt. Deshalb eignet sie sich auch hervorragend als Geburtsblume für alle Novembergeborenen. Ein alter Volksglaube besagt auch, trinkt man von einem Bach, an dem Chrysanthemen stehen, wird man 100 Jahre alt! Ein Brauch des japanischen Chrysanthemenfestes soll ebenfalls lebensverlängernde Wirkung haben: So legt man traditionell in der Nacht vor dem Fest ein Tuch über Chrysanthemenblüten und wischte sich am Morgen mit dem Tuch über den ganzen Körper. Auch der vorher ein Jahr lang gereifte Chrysanthemenwein, der am chinesischen Chongyang-Fest (Fest der Doppelten Neun) am 9. September getrunken wird, soll ein langes und gesundes Leben bringen.

Auch Chrysanthementee soll ein langes Leben bringen mit seinen verschiedenen heilenden Wirkungen. Die traditionelle chinesische Medizin wendet den Tee bei Fieber, Kopfschmerzen und Leberbeschwerden an. Äußerlich behandelt man mit ihm Hauterkrankungen, Akne und Wunden. Aber Vorsicht: Chrysanthemen können wie viele andere Korbblütler allergische Reaktionen hervorrufen, wie Hautrötungen oder Magenbeschwerden.

Trauerblume Chrysantheme

Nicht nur hierzulande begegnen wir der Chrysantheme auf Beerdigungen und Friedhöfen. Auch in ihren asiatischen Herkunftsländern sind sie in den Farben Weiß und Gelb fester Bestandteil von Trauerzeremonien. Neben ihrer Symbolik für ein langes Leben, verspricht sie auch die über den Tod hinaus gehende Liebe, genauso wie immerwährende Freundschaft und auch Wiedergeburt. Die weiße Chrysantheme steht hierbei vor allem für Loyalität und Wahrheit, die gelbe Variante dagegen drückt tiefe Trauer aus.
In Mexiko verwendet man die weiße Chrysantheme am Día de los Muertos (dt. Tag der Toten) als spanisches Allerheiligenerbe, um die ofrendas (Totenaltar) zu schmücken. Gelbe Chrysanthemenblüten streut man zusammen mit den Blüten der orangenen Cempasúchil und der Ringelblume als Empfangsteppich und Wegweiser für die Verstorbenen vom Haus bis zum Friedhof aus. Sie sollen somit sicher zum Familienfest gelangen. Man glaubt nämlich, Tote könnten die Farben Orange und Gelb besonders gut erkennen.

Die Chrysantheme – eine japanische Liebe

Wie bereits eingangs erwähnt, pflegen die Japaner eine besondere Liebe zur Chrysantheme. Die Blume gehört neben der Sonne zu den Nationalsymbolen. Tatsächlich nennen die Japaner die Chrysantheme kiku (dt. Abendsonne). Aufgrund ihrer Symbolik der Unsterblichkeit und Vollkommenheit beanspruchte der tenno (dt. Kaiser) die Blume für sich und nannte seinen Thron fortan Chrysanthementhron und seinen Palast Chrysanthemenpalast. So kam die 16-blättrige Chrysantheme auf das Staatswappen und in die heutigen japanischen Reisepässe. Auch der höchste japanische Staatsorden nennt sich kiku no gomon (dt. Edles Zeichen der Chrysantheme oder Kaiserliches Siegel der Chrysantheme). Ursprünglich gehörte auch das Chrysanthemenfest kiku no sekku am 9. September allein dem Kaiserhaus: Es war eine Hofzeremonie, bei der man während des Festessens mit ausreichend kikuzake (mit Chrysanthemen gewürzter Reiswein) feierlich Chrysanthemen-Arrangements übergab.

Ab dem 17. Jahrhundert feierten auch die normalsterblichen Japaner kiku no sekku. Zum Schutz gegen Unheil steckt man sich eine Chrysanthemenblüte ins Haar und verlängert mit einem in der Nacht von Chrysanthemen durchzogenen Tuch angeblich das Leben. Zum Essen werden Küchlein mit eingebackenen Chrysanthemen gereicht und natürlich ebenfalls kikuzake getrunken. Leider verliert das kiku no sekku heute aber immer mehr an Bedeutung und wird nur noch vereinzelt oder hauptsächlich in religiösen Einrichtungen und Klöstern begangen.

Mei Lan Zhu Ju – Die vier Herren unter den Blumen

Übersetzt sind die Vier Herren unter den Blumen die Pflaumenblüte, die Orchidee, der Bambus und die Chrysantheme. Seit der Antike gelten sie als die spirituellen Symbole der Chinesen. Ihre Charaktere beschreibt man als stolz, ruhig, fest und leicht. Ebenso symbolisiert jede der Blumen eine Jahreszeit: Die Chrysantheme steht natürlich für den Herbst. Das chinesische Gedankengut interpretiert folgendes in die Blume hinein: Die Chrysantheme blüht sowohl im Königsgarten als auch im Armenhaus. Aber egal wo, sie blüht überall gleich und schenkt den Menschen ihre Schönheit. Genauso sollten auch die Menschen überall ihr Bestes geben. Egal, wo sie sind oder in welcher Situation sie sich befinden.
Die vier Herren unter den Blumen finden Erwähnung in vielen Gedichten und Kunstwerken. Sie stellen auch ein besonders beliebtes Motiv für chinesische Fächer da.

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