Christrose – eine Rose zu Weihnachten

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Christrose – eine Rose zu Weihnachten

Die Christrose gehört genau wie die Amaryllis und der Weihnachtsstern zum traditionellen, botanischen Weihnachtsinventar. Während andere Blumen und Pflanzen ihren winterlichen Schönheitsschlaf halten, blüht sie schön und hell gegen den Winter an. Deshalb gilt sie auch als Hoffnungssymbol.

christrose steckbrief Name: Christrose
Botanischer Name: Helleborus niger
Weitere Namen: Schneerose, Schwarze Nieswurz, Weihnachtsrose, Christblume, Winterrose, Orakelblume, Schneebleamal (osterreichisch), Märzenkaibl (österreichisch)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Herkunft: Süd- und Mitteleuropa, Südostasien
Blütenfarbe: rosa, weiß
Merkmale: winterharte Laubblätter, weiße oder rosa Schalenblüten
Symbolik: Hoffnung, Unschuld, Geburt Christi
Blumensprache: Bitte nimm mir Zweifel und Angst!

 

Es ist eine Christrose entsprungen

Die Christrose hat viele Namen, die sich von ihren wichtigesten Merkmalen ableiten. So entspringt die Variation Schneerose ihrer frühen Blütezeit. Oftmals noch bevor der Schnee geschmolzen ist. Kein Wunder: Denn Kälte und Frost machen der Blume kaum etwas aus!

Der Christrosenname erklärt sich da schon weihnachtlicher. Die Legende erzählt nämich von einem der biblischen Hirten. Zusammen mit den anderen hütete er, wie allseits bekannt, in der Weihnachtsnacht seine Schafe in der Nähe von Bethlehem. Sie folgten des Engels Verkündung und dem Stern zur Krippe hin. Doch unserem Hirten war das Herz schwer. Er wollte nicht mit leeren Händen vor dem Heiland stehen. Seine Armut erlaubte ihm aber kein teures Geschenk. Darüber weinte er sehr. Aus seinen Tränen sprossen nun wunderschöne, rosenähnliche Blumen. Die Christrose.

Weniger emotional gestimmt ist der Name Schwarzer Nieswurz. Er bezieht sich auf das schwarze Rhizom der Blume. Zerrieben stelle man aus ihm Niespulver her. Mithilfe dieses Pulvers nieste man sich böse Geister und Krankheiten aus Leib und Seele, so glaubte man früher.

 

Das heilende Gift der Christrose

Nomen est Omen. Das trifft auf die Christrose ziemlich gut zu. Da die Herkunft ihrer volksgebräulichen Namen geklärt ist, bleibt noch ihr botanischer Name Helleborus niger. Das lateinische niger (dt. schwarz) bezieht sich auch hier auf das schwarze Rhizom. Ihr Helleborus-Gattungsname wirft jedoch etymologische Fragen auf. Vermutungen gehen aber dahin, dass es sich aus helein (dt. töten) und bora (dt. Speise) zusammen setzt. Nicht gerade schmeichelhaft. Entspricht aber der Wahrheit. Denn die Christrose ist in all ihren Pflanzenteilen giftig. Also aufgepasst bei Kindern und nimmersatten Fellfreunden!

Wie bei Gift so üblich kann es nicht nur töten, aber auch in angemessenen Dosen heilende Auswirkungen haben. Schon in der Antike setzte man Helleborus als Abführmittel ein. Erstmals soll der Arzt und Seher Melampus die abführende Wirkung bei seinen Ziegen beobachtet haben. So die griechische Mythologie. Außerdem heilte er mit der Helleborus den Wahnsinn der Töchter des Proteus‘. Weshalb man auch in späterer Zeit die Pflanze gegen Wahn, Epilepsie und depressive Verstimmungen einsetzte.

In mittelalterlichen Zeiten glaubte man sogar, Kröten würden sich ihr Gift von den Christrosen holen. Tatsächlich bedeutet die Silbe rana in der botanischen Familie Ranunculaceae für Frosch. Ranunculus entspricht sogar der Verniedlichung Fröschlein. Ob der alte Glaube etwas damit zu tun hat?

 

Orakelblume Christrose

Mit der Christrose verbindet sich allerlei Aberglaube: Man streute sie als Pulver zur Abwehr gegen böse Geister und Hexen auf den Boden aus und es sollte sogar unsichtbar machen. Ihren Namen Orakelblume verdiente sie sich, da sie das Wetter für das kommende Jahr voraussagte. Dazu stellt man zur Weihnachtszeit zwei Christrosenblüten in ein Glas Wasser. Eine Knospe steht jeweils für einen Monat des nahenden Jahres. Am Heiligabend wetterorakelt sie dann: Öffnet sich die Blüte, gibt es schönes Wetter in diesem Monat. Bleibt sie aber stur geschlossen, gibt es auch schlechtes Wetter. Voraussichtlich.
 

 

Dichtermuse Christrose

Die Christrose inspirierte viele Künstler zu Lieder und Gedichten. Der Mönch Laurentius komponierte seinen Christrosenfund im Klostergarten an Weihnachten zu Es ist ein Ros‘ entsprungen. Das Lied Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit ist die Christrosenhymne schlechthin und die Schneerose erhält dort den Titel als Blume der Heiligen Nacht. Der Dichter Eduard Mörike widmet ihr mit Auf eine Christblume ebenfalls ein ganzes Gedicht. Auch Johannes Trojan dichtete einen Vers über Die Christrose und Selma Lagerlöf schrieb eine Kurzgeschichte Die Legende von der Christrose über die Blume. Im Märchen Zwerg Nase hat sie ebenso ihren Auftritt: Der Nieswurz sorgt hier für die Erlösung des Jungen Jacob vom Zauberbann. Sie ist wirklich eine kleine Berühmtheit, die Christrose.

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