Bonsai – Kleiner Baum ganz groß

top feature image

Bonsai – Kleiner Baum ganz groß

Ruhe, Harmonie, Ausgeglichenheit. Und ein wenig Glück. Darum geht es bei den Mai-Zimmerpflanzen: den Zen-Pflanzen. Zu ihnen gehören der Bonsai, der Ficus Ginseng und der Dracaena Lucky Bamboo. Wir haben uns entschieden ein wenig Japanisch zu lernen und meditieren geduldig-diszipliniert über den Bonsai.

Eine mehr als 1000 Jahre alte Tradition

Auf die Idee Bäume in der Schale zu züchten kamen zuerst die Chinesen. Das war ungefähr 700 Jahre nach Christus. Allerdings beschränkten sich die Chinesen nicht nur auf Mini-Bäume – es mussten ganze Landschaften sein mit Steinen als Bergsimulationen und Klippendarstellungen. Penjing (dt. Tablett-Landschaft) heißt diese chinesische Kunstform heute, vor dem 16. Jahrhundert gebrauchte man jedoch ausschließlich den Begriff Pun-tsai (dt. Tablett-Pflanzung). Japanische Buddha-Mönche brachten Pun-tsai nach Japan, unterwarfen ihn den Regeln des Zen-Buddhismus und prägten den heute weltweit bekannten Namen Bonsai (dt. Baum in der Schale). Allerdings blieb das Hobby der Baumzucht in Schale zunächst der Adelsschicht vorbehalten. Ähnlich wie bei der Hortensie.
In der Edo-Zeit Japans (1603 – 1868) brach das Sammelfieber für außergewöhnliche, seltene Baummutationen im Oktopus-Stil aus. Die Japaner verspekulierten Unsummen für sie. Erinnert auffallend an die holländische Tulpenmanie, oder?
Den ersten Bonsai brachten die Japaner zur Weltausstellung 1867 nach Paris mit. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelang ihm die Eroberung Europas und der Welt als Hobby.

Was macht einen Baum zum Bonsai?

Ein Bonsai ist keine eigene Baumart. Menschenhände ziehen ihn aus Sämlingen, aus Jungpflanzen oder aus in der Natur gesammelten Pflanzen (sog. Yamadori) mit Formschnitten und Draht in seiner Kunstform heran. Dabei erzählt der Künstler wahre Baumgeschichten aus der Natur: Die windgepeitschte fukinagashi-Form vermittelt beispielsweise den lebenslangen Überlebenskampf gegen Sturm und Wind. Totholz (sharimiki) dagegen kann eine starke Sonneneinstrahlung, giftige Schadstoffeinatmung oder einfach nur das hohe Alter beklagen.

Als Bonsai eignen sich fast alle verholzenden, kleinblättrigen Baumarten. Dabei eignen sich einige eher für den Innenbereich und andere für den Außenbereich. Jedoch fühlt sich kein Bonsai ausschließlich in der Wohnung wohl. Bäume wachsen im Freien, in der Sonne und im Wind. Nur ein künstlicher Bonsai muss niemals draußen sein.
Geschenkte Bonsai bringen Glück. Ihre Symbolik unterscheidet sich jedoch nach Baumart. In einer Tabelle haben wir die symbolische Bedeutung der wichtigsten Baumarten aufgelistet:

BaumartSymbolik
AhornEigenwilligkeit, innere Ruhe, Überwindung von Verletzlichkeit
ApfelLiebe, Verführung, Fruchtbarkeit, weibliche Schönheit, vollkommenheit
BirkeLeben, Junge Weiblichkeit, Schönheit, Glücklichsein, Frühling, Schutz vor Hexen
EibeUnsterblichkeit, Tod, Zauber und Schutz vor Zauber
EicheSieg, Ruhm, Kraft, Stolz, Heldentum, Männlichkeit, Dauerhaftigkeit, Unsterblichkeit
FichteWeihnachten, innere Kraft, neugeborene Sonne, Leben und Hoffnung
KieferLebenskraft, Ausdauer, Bewältigung schwierigen Lebens, Anpassungsfähigkeit, Treue und Mut, langes Leben
OliveFrieden, Lebenskraft, Fruchtbarkeit
UlmeEnergie, Kreativität, Dynamik des Seins
Wacholderphysische Stärke, Lebensbaum, Fruchtbarkeit, ewiges Leben, heiliger Baum
Weide
Keuschheit, Enthaltsamkeit, Ewigkeit, Ausdauer, Tod
Bonsai – Philosophie

Bonsai ist Kunst. Mehr als das. Es ist Religion. Geduld und Diziplin. Die Bonsai-Philosophie wurzelt im Zen-Buddhismus: Die Ästhetikkonzepte Wabi-Sabi (Ästhetik des Unperfekten) und Mono no Aware (Mitgefühl mit den Dingen und deren Vergänglichkeit) treten hierbei besonders zutage.

Folgende Faktoren prägen die Bonsai-Gestaltung:

bonsai_dreieck
Die Baumkrone bildet ein ungleichschenkliges Dreieck

1. Asymmetrie
Die Buddhisten lehnen Perfektionismus ab. Die Dinge sollen irregulär, nicht ausbalanciert sein. Deshalb bildet die Bonsaibaumkrone ein ungleichschenkliges Dreieck.

2. Einfachheit, Schlichtheit
Ein Bonsai soll nur enthalten, was notwendig ist. Für Japaner ist weniger mehr.

3. Schmucklose Erhabenheit
Die Zen-Kunst vertritt das Alter und verzichtet auf Glanz und jugendliche Üppigkeit. Die knochigen, wettergegerbten, ausgemergelten Äste eines Baumes beweisen diese Erhabenheit.

4. Natürlichkeit
Der Bonsaibaum darf nicht künstlich aussehen. Es darf kein menschlicher Einfluss sichtbar sein.

5. Tiefgründigkeit oder schweigsame Tiefe
Der Bonsaibaum ist mehr als nur eine Pflanze. Ein Baum. Er symbolisiert etwas. Das können Durchhaltewillen, Alter oder Freiheit sein. Er soll Gedankenschwere implizieren und nicht auf den ersten Blick zu durchschauen sein. Ähnlich wie ein Gemälde.

6. Freiheit von allem
Zen akzeptiert keine Zwänge im Denken und Handeln. Gewohnheiten, Sitten, Regeln sollen nicht einengen.

7. Stille, Einsamkeit, Seelenruhe
Der Bonsaibaum soll die Ruhe zum Meditieren vermitteln und den Betrachter von der Tageshektik befreien.

Überall perfekt in Schale – der künstliche Bonsai

Sich eine Kiefer, einen Wacholder oder einen Ahorn für die Wohnung zu züchten ist nicht immer einfach und erfordert sehr viel Geduld. Ein kleiner Bonsai wächst auch nicht von heute auf morgen in seiner Schale heran, er braucht durchschnittlich 20-30 Jahre für seine schönsten, ausgefallenen fukinagashi– und kengai-Formen.
Wer einen ungeduldigen oder gar toten Gründaumen besitzt, sich aber unsterblich in die Bonsaiidee verliebt hat, für den eignen sich künstliche Bonsaibäume ideal. Er benötigt keine fachgerecht komplizierte Verdrahtung, einen Formschnitt oder eine anspruchsvolle Ernährung. Er ist an jeder Stelle zufrieden: ob als Teetischdekoration, als Gesellschaft auf die Sommerterrasse oder als Glücksbringer neben dem Bürocomputer.
Einziger Wermutstropfen: Die künstlichen Bonsaibäume erleben keinen bunten Herbst. Oder einen obstblütenreichen, romantischen Frühling.

bonsai-zenbuddhismus-artfleur
Der Bonsaibaum als meditativer Ruhepool in der Wohnung

Für noch mehr Fotos zur Entspannung und Meditation besuchen Sie unsere Galerie Meditation & Wellness Temple

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert. Bitte kontaktieren Sie uns für Inhaltskorrekturen per E-Mail.