Blumensprache vs. Hanakotoba

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Blumensprache vs. Hanakotoba

Durch Blumen zu sprechen hat eine lange Tradition. Ob Ägypter, Griechen, Japaner, Shakespeare oder Mary Montagu – sie alle gebrauchten Blumen oder Pflanzen um sich der Welt mitzuteilen. Damit Sie auch mitsprechen können, wollen wir Ihnen einige Blumenvokabulare an die Hand geben. Sowohl für die westliche Blumensprache als auch für das japanische Hanakotoba.


Seit Anbeginn der Zeit: Blumen in der Schriftsprache

Schon Jahrhunderte vor Christi gebrauchten Ägypter, Grieche und Chinesen Blumen- und Pflanzensymbolik für ihre Schriftsprachen: So stand eine Palmrispe für „Jahr“, eine Blume an einem gewundenen Stab bedeutete „opfern“ und ein Teich mit Lotosblüten hieß „(das Schicksal) bestimmen“.
Auch im antiken Griechenland schrieb man noch in Bildern, da der Großteil der Bevölkerung des Lesens nicht mächtig war. Vor allem um die zahlreichen Gottheiten zu identifizieren, ordneten die griechisch-antiken Kleriker ihnen Attribute zu: So trug Zeus die siegreichen Eichenblätter, Aphrodite schmückte sich mit Rosen und Mohn und am bekanntesten ist wohl Dionysos‘ Attribut der Weinrebe und Feige.

Heutzutage kehren wir zu unseren Urwurzeln zurück und benutzen fröhlich allerhand Emojis in unseren Nachrichten bei What’s App, Messenger, Telegram, Threema & Co. Darunter auch Blumen- und Pflanzen-Emojis: Die rote Tulpe schicken wir als Symbol für das Frühlingserwachen, mit dem Blumenstrauß wünschen wir herzlich und großzügig „Alles Gute“ und mit der Sonnenblume verkünden wir der Welt unsere gute Laune.


Schreibs’s durch die Blume

Viele Dichter und Schriftsteller haben damals nicht nur zwischen den Zeilen geschrieben, sondern auch mit der Blume: Schon das biblische Hohelied Salomos besingt blumig die Liebe des israelischen Volkes zu Gott mit Hilfe von Lilien, Granatäpfeln, Aloe und Narde. Auch William Shakespeare entpuppt sich als begeisterter Blumenliebhaber in seinen weltberühmten Werken wie Hamlet, Macbeth und Ein Sommernachtstraum. Besonders gerne hatte er wohl Frühlingsblüher wie Hyazinthen, Veilchen und Narzissen.
Neben Shakespeare blümelten auch Jane Austen und die Brontë-Schwestern in ihren literarischen Meilensteinen. Achten Sie bei der nächsten Lektüre doch einmal darauf.


Das Blümeln im viktorianischen Zeitalter

Das eigentliche Blümeln hatte seinen Ursprung aber im Orient. Genauer gesagt in den Harems. Deshalb auch der Name Selam. Der für Besucher genannte Teil des Harems hieß nämlich Selamlik. Dort konnte oder wagte man nicht seine Gefühle offen auszudrücken. Daher verpackte man seine Leidenschaft, Liebe, Freundschaft, Vorwürfe oder auch Ärger in Blumenblüten. Diese Selam-Sprache importierte die Schriftstellerin Lady Mary Wortley Montagu in das viktorianische England. Von da an versprachen rote Rosen und Tulpen ewige Liebe, blaue Veilchen schworen feierlich Treue und eine weiße und rote Rose zusammen verschenkt erklärten den Krieg.


Das Blümeln von heute

Die heutige Blumensprache hat sich seit Selam ziemlich verändert. Zahlreiche Handbücher interpretierten die Blumen und ihre Farben anders, sprachen ihnen Eigenschaften und Botschaften zu – die Blumensprache verwirrte sich. Babelhaft.
Heute kommunizieren wir unverblümter, direkter und halten mit Worten kaum vorm Berg. Deshalb spielt die Blumensprache nur noch eine untergeordnete Rolle und wird überwiegend von Floristen gesprochen. Es sei denn, es geht um die rote Rose: Ihre Botschaft wird von (fast) jedem verstanden.

Nach Farbe geordnet haben wir Ihnen ein kleines Blumensprachenvokabular zusammengestellt.

FarbeFarbbedeutungBlumenbeispiele
Helles Blau: Freiheit

Mittleres Blau: Hoffnung, Treue und Beständigkeit

Dunkles Blau: Tiefe und Erholung
Blaues Veilchen: Geduld

Blaue Iris: Mit meinem ganzen Sein stehe ich zu dir

hellblauer Flieder: Die Lage ist ernst.
Rot: tiefe Zuneigung und Liebe, Entschlossenheit, Tatkraft und AktivitätRote Tulpe: tiefe Zuneigung und Liebe

Rote Rose: Ich bin verrückt nach dir!

Rote Nelke: Oh, mein armes Herz!

Roter Salbei: Dein für immer!

Roter Mohn: Trost
Rosa: Zärtlichkeit, Sehnsucht, RomantikRosa Rose: zärtliche Liebe

Rosa Tulpe: junge, erwachende Liebe, zarte Gefühle
Gelb positiv: Glück, Lebensfreude, Sorglosigkeit

Gelb negativ: Neid und Eifersucht
Gelbe Tulpe: Lächeln, Sonnenschein, Glück, Fröhlichkeit

Gelbe Rose: Ich verzeihe dir. Oder auch: Untreue, Eifersucht oder abnehmende Liebe

Gelbe Nelke: sich Durchblick verschaffen

Gelbe Narzisse: Du bist stolz!

Gelbe Iris: Jederzeit stehe ich voll stolzesten Glückes für dich ein.

Gelbe Feuerlilie: Unser Finden krönt mein Leben und mein Glück.
Weiß: Reinheit, Treue, Ehrlichkeit, Unschuld Weiße Lilie: Unsere Liebe ist rein und edel

Weiße Rose: heimliche oder platonische Liebe

Weiße Tulpe: endlose Liebe

Weiße Nelke: Ich bin noch zu haben
Hanakotoba – sprich durch die japanische Blume

Die japanische Kultur ist von Höflichkeit und Zurückhaltung geprägt. Gefühle bleiben privat, im Kreis der Familie und Freunde: Japaner küssen sich nicht öffentlich, sie halten kein Händchen und tun auch ihren Unmut nicht vor anderen kund. Deshalb spielte die Hanakotoba, die japanische Blumensprache, lange Zeit eine große, kulturelle Rolle. Nicht nur die Frauen bekamen hauptsächlich Blumen, nein, auch die Männer. Doch auch in Japan schwindet die Blumensprache immer mehr. Sie wird überwiegend noch in japanischen Filmen, im Manga und Anime gesprochen. Und im Ikebana: Das ist die Kunst, Blumen „Leben zu geben“, sie zu arrangieren. Weniger ist hierbei mehr, so das Motto. Denn es geht nicht darum, möglichst viele Blumen aneinander zu stecken, sondern sie für sich sprechen zu lassen. Und die Blumen in ihrer Schönheit, aber auch in ihren Fehlern zu entdecken.


Blumensprache vs. Hanakotoba

Andere Kulturen, andere Sitten. Und auch eine andere Blumensprache. Zumindest bei einigen Blumenarten. Wir haben uns Hanakotoba genauer angeschaut und die Bedeutungen der westlichen und der japanischen Blumensprache für Sie gegenüber gestellt.

BlumeBlumennameHanakotobawestliche Bedeutung
Amaryllis
jap. amaririsu
SchüchternheitStolz
AsterErinnerung, AndenkenGlück im Alter, Langlebigkeit oder Ich bin von deiner Treue nicht überzeugt!
AzaleeBescheidenheit, GeduldMäßigkeit, aufrichtige und scheue Liebe
Chrysantheme (weiß)
jap. kiku
Wahrheit, Trauer
Nationalblume Japans, Zeichen des Kaisers
Tod, Trauer
Dahlie
jap. tenjikubotan
guter GeschmackIch bin schon vergeben. / Für immer dein.
Edelweiß
jap. ederuwaisu
Courage, Kraftkarge Schönheit, Wagemut
Hibiskus
jap. haibisukasu
Sanftheit, Empathiezarte Schönheit
Hortensie
jap. ajisai
Stolzüberhöhtes Selbstwertgefühl aber auch Wie konntest du mich so bald vergessen?
Jasmin
jap. jasumin
Freundlichkeit, AnmutLiebenswürdigkeit, Anmut
Kaktus
jap. kakutasu
Lust, SexAusdauer, Geduld
Kirschblüte
jap. sakura
Freundlichkeit, Sanftmut, Vergänglichkeit-
Lavendel
jap. rabenda
TreueReinheit, Zuversicht, Erinnerung
Lilie (Orange)
jap. sayuri
Hass, Rache-
Lilie (Weiß)
jap. shirayuri
Reinheit, UnschuldReinheit
MagnolieNatürlichkeitAnmut, Reinheit, Ausdauer oder Wie unschuldig du bist!
Mohnblume (rot)
jap. hinageshi
lebenslustigTrost, Schlaf, Vergessen
Narzissen
jap. suisen
RespektEitelkeit, Selbstliebe
NelkeFaszination, LiebeMut, Kühnheit, Leidenschaft
PfingstroseMutAufrichtigkeit, Ich muss dir ein Geständnis machen
Rose (rosa)
jap. momoirobara
VertrauenZärtlichkeit
Rose (rot)
jap. akaibara
romantische Lieberomantische Liebe
Rose (weiß)
jap. shiroibara
Unschuld, Hingabe, StilleTugend, Jungfräulichkeit
Sonnenblume
jap. himawari
strahlendes Licht, RespektStolz oder Ich habe nur Augen für dich!
Spinnenlilie (rosarot)
jap. higanbana
EinsamkeitWir werden und nicht wiedersehen, verlorene Erinnerung, Verlassenheit
Tulpe (rot)
jap. churippu
Ruhmewige Liebe
Tulpe (gelb)
jap. churippu
einseitige Liebeeinseitige, hoffnungslose Liebe

Vielleicht haben Sie jetzt auch Lust bekommen durch die Blume zu sprechen. Egal, ob Hanakotoba oder die nicht immer eindeutige Blumensprache. Für beide Sprachen eignen sich Seidenblumen hervorragend. Probieren Sie es aus.

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