Schöner die Amaryllis nie blühen

top feature image

Schöner die Amaryllis nie blühen

Die Amaryllis ist eigentlich eine südamerikanische Tropenschönheit. Doch alle Jahre wieder läuten ihre großen, tiefroten Blüten zusammen mit Weihnachtsstern und Christrose die weihnachtliche Festzeit ein und blühen wie der Stern von Bethlehem in unseren Häusern auf.

amaryllis steckbrief

Name: Amaryllis
Botanischer Name: Hippeastrum
Andere Namen: Ritterstern, Naked Lady (USA)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Anzahl der Arten: 80 Arten
Ursprungsland: Mittel- Südamerika, Karibik
Blütenfarbe: Weiß, Rot, Gelb, Rosa, Lachsrosa, Violett, Orange
Merkmale: trichterförmige, bis zu 20 cm große Blüten, blattlose Stiele
Symbolik: Stolz, Erfolg, Anmut, bezaubernde Schönheit
Blumensprache: Du bist stolz. / Ich bin auf dich stolz. / Ich bin stolz darauf, dich zu kennen bzw. mit dir befreundet zu sein.
Hanakotoba: Schüchternheit


Amaryllis oder Ritterstern?

Der Name Amaryllis trifft zwar in seiner Übersetzung auf die wunderschönen, beeindruckenden Blüten zu, denn er leitet sich vom griechischen amarussein (dt. funkelnd, strahlend) ab. Passend für einen Weihnachtsstar. Dennoch ist er botanisch inkorrekt: Die Echte Amaryllis ist eine Südafrikanerin und gedeiht auch unter dem Namen Belladonnalilie. Obwohl sie der Lilie optisch schwesternhaft ähnlich ist, besteht keine nähere Verwandtschaft zu ihr.

Die korrekte Botanikerbezeichnung lautet für den Weihnachtsstar Amaryllis lautet Hippeastrum. Sie leitet sich ebenfalls aus dem Griechischen von hippeos (dt. Ritter) und astron (dt. Stern) ab. Deshalb nennt man die weihnachtliche Amaryllis im Deutschen auch Ritterstern. In den USA gab man ihr auf Grund ihres blattlosen Stiels den Beinamen Naked Lady (dt. nackte Dame).

Die Ankunft der Amaryllis in Europa

Zum ersten Mal in Europa tauchte der Ritterstern im 16. Jahrhundert auf. Der sevillanische Arzt Simon von Tawar erhielt ein paar Zwiebeln mit einer Schiffsladung aus Südamerika und ließ sie in seinem Garten wachsen. Er beobachtete sie genau, fertigte detailgetreue Zeichnungen an und schickte alles zusammen mit getrockneten Blüten an den französischen Botaniker Charles Clusius.
150 Jahre später nahm der Schwede Carl von Linné den Ritterstern mit in sein Werk „Anmerkungen über die schöne Amaryllis“ (1742) mit auf. Er konnte nicht ahnen, dass er damit die Grundlage zum heutigen Namenchaos um die Amaryllis schuf.

Ein Leben unter falschem Namen

Carl von Linné ordnete damals also die Rittersterne der Familie der Amaryllidacae zu, da sie einige gemeinsame Ähnlichkeiten aufwiesen. Allerdings auch Unterschiede. Zum Beispiel hat der Ritterstern einen hohlen Stiel. Die kontinentale Lebensraumtrennung der beiden Amaryllisarten säten weitere Zweifel über die botanische Verwandtschaft. Fast 250 Jahre nach Linnés Zuordnung des Rittersterns zur Amaryllisgattung, herrschte laute Uneinigkeit. Bis 1987 der 14. International Botanical Congress die Ausgliederung des Rittersterns aus der Amaryllidacae-Familie: Etwa 70 Arten mit 600 Zuchtformen wanderten damals in die eigene Hippeastrum-Gattung, die der Geistliche Wilhelm Herbert schon im Jahre 1819 kreierte. Vermutungen besagen, Herbert habe sich als Mittelalterexperte beim Hippeastrumnamen für die sternförmige Blüte von der ritterlichen Waffe Morgenstern inspirieren lassen. Andere Quellen wiederum glauben, die Knospe habe ihn an ein Pferdeohr bzw an einen Pferdekopf erinnert und der Name leite sich vom altgriechischen hippos (dt. Pferd) ab.
Unter Hobbygärtnern und im Volksmund lebt der Ritterstern jedoch weiter unter dem falschen Namen Amaryllis fort.

Ein Mädchen namens Amaryllis

Amaryllis ist eigentlich eine Figur aus der griechischen Mythologie. Der Dichter Theokrit stellt sie als Nymphe in einer Grotte dar, die stolz und arrogant einen Hirten und seine Liebe zu ihr zurückwies. Der Botaniker Carl von Linné ließ sich aber bei der Namensgebung der Gattung wohl eher von Vergils Ekolog inspirieren. Der griechische Dichter beschrieb die Hirtin namens Amaryllis nämlich als schön, aber launisch. Vielleicht regte diese Launenhaftigkeit Linné an, die Blume nach ihr zu benennen. Denn Amaryllis können ganz schön kapriziös in ihrer Pflege und Ansprüchen sein.

Zur Entstehung der Amaryllis erzählt man sich außerdem eine Liebestragödie, die wohl an der griechischen Dichtung angelehnt ist, aber erst später entstanden ist. Auch hier spielt ein Mädchen namens Amaryllis eine tragendes Rolle. Unsterblich verliebte sie sich eines Tages in den Hirtenjungen Alteo. Aus Verzweiflung über die unerwiderte Liebe, durchbohrte sie sich das Herz mit einem goldenen Pfeil. Aus den Tropfen ihres Herzbluts erwuchs dann eine wunderschöne rote Blume. Die später nach ihr benannt wurde: Amaryllis.

Vereinzelt findet man Amaryllis heutzutage auch noch als Mädchenname. Die griechisch-orthodoxe Kirche feiert am 10. Oktober den Namenstag für alle Amaryllis-Namensträger.


Stolz wie Amaryllis

Während ihre Narzissenverwandte den Frühling und ein gewisses Maß an Eigenliebe und Eitelkeit symbolisiert, steht der Ritterstern für das Weihnachtsfest und für Stolz. Diese Symbolik verdankt sie ihrer großen, prächtigen Blüte. Als Geschenk spricht man jedoch nicht nur seinen Stolz für jemanden aus, sondern auch seine Zuneigung und Bewunderung. Allerdings nur auf freundschaftlicher Basis. Liebesbekundungen sollten lieber doch den Rosen oder Tulpen überlassen bleiben. Denn mit der Amaryllis zollt man durchaus Respekt und zeigt Interesse an einer Frau. Große Gefühle bleiben aber aus.

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert. Bitte kontaktieren Sie uns für Inhaltskorrekturen per E-Mail.

Post navigation

  Next Post :
Previous Post :