Das Farbenspiel des Ahorn

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Das Farbenspiel des Ahorn

Der Ahorn gehört zu den beliebtesten Baumarten. Das liegt an seiner eindeutigen, leicht zu erkennenden handförmigen Blattform, seinem herbstlichen Farbspiel beim Indian Summer und Momijigari und den lustigen Propellern, die sich Kinder so gerne als Nasenzwicker aufsetzen.

ahorn profil steckbrief

Name: Ahornbaum
Botanischer Name: Acer
Weitere Namen: Maßholder, Engelsköpfchenbaum, Speisebaum, Weißbaum
Familie: Seifenbaumgewächse (Sapindaceae)
Anzahl der Arten: 150 bis 200 Arten
Herkunft: Europa, Asien, Amerika
Rinde: glatt und grau, nach einigen Jahren färbt sie sich dunkelbraun
Holz: fest, hart, gute Eignung als Bauholz
Blattform – und farbe: handförmig, mehrfach gelappt
Alter: je nach Art 100 – 500 Jahre
Symbolik: Eigenwilligkeit, innere Ruhe, Überwindung von Verletzlichkeit, innere Reinheit
Nationalbaum: Kanada

Urgestein Ahornbaum

Der Ahorn blickt kann genau wie die Magnolie eine lange Geschichte erzählen. Das älteste bekannteste Ahornfossil aus Alaska ist nämlich bereits über 100 Millionen alt. Beheimatet ist die Mehrzahl der 150 bis 200 Ahornarten heute vor allem in Nordamerika und in Asien. Die Eiszeit in Mitteleuropa überlebten nur Spitzahorn, Feldahorn und Bergahorn.
Je nach Art erreichen Ahornbäume ein Alter von 100 bis 500 Jahre. Bis sie ihre ersten Blüten austreiben dauert es schon mal 25 Jahre. Einige Ahornarten wachsen jedoch nicht einmal 10 Meter hoch und gelten somit mehr als Strauch denn Baum.
1995 wählte man den Spitzahorn zum Baum des Jahres, im Jahre 2009 erkor man den Bergahorn zu dieser Ehre und 2015 war es schließlich auch für den Feldahorn soweit.

Der botanische Gattungsname acer leitet sich von indogermanischen ak (dt. spitz, scharf) ab und bezieht sich auf die spitze, sehr beliebte und leicht wiederzuerkennende Blattform. Das auf acer zurückzuführende Wort Ahorn ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und wurde schon im Althochdeutschen genutzt.


Berühmte Ahornbäume

Der wohl berühmteste Ahorn ist wohl der Schwurbaum bei Trun in der östlichen Schweiz. Genauer gesagt im heutigen Kanton Graubünden. Am 16. März 1424 gelobten etwa ein Dutzend Dorfschaften dem Grauen Bund die Treue. Alle zehn Jahre traf man sich unter dem Baum wieder und erneuerte den Schwur. Im Jahre 1870 raffte ein Sturm den alten Ahorn dahin. Einige Teile des Stammes kann man noch heute im Truner Museum bewundern. Seit mehr als 130 Jahren wächst nun aus dem Steckling des alten Schwurbaumes ein neuer Ahorn zur Erinnerung. Auch das Wappen der Gemeinde Trun zeigt einen stilisierten Ahorn.

Aber auch hierzulande kann man im Hamburger Hirschpark einen monumentalen Bergahorn bewundern: 25 Meter hoch wächst er und weist ein stolzes Alter von 200 bis 220 Jahre auf. Sein Stamm bemisst einen Umfang von 5,36 Meter und seine Baumkrone ist mit 36 Metern überdurchschnittlich ausladend.


Heiterer Ahorn

Der Ahornbaum galt früher als heiter, mild und lustig. Der deutsche Arzt und Apotheker Jakobus Theodorus Tabernaemontanus schrieb im Jahre 1588 nämlich über ihn:

Es wird dieser Baum in Ehren gehalten wegen seines lustigen Schattens“

Besonders gut herumalbern kann man mit den Nussfrüchten, die im Herbst wie Propeller von den Bäumen wirbeln. Nicht nur Kinder stecken sie sich gerne als Nasenzwicker oder Nasenhörner auf.
Dem Ahorn sprach man auch Ruhe, Harmonie und Gelassenheit sowie eine positive Wirkung auf depressive Gemüter zu. Für die Kelten symbolisierte der Ahorn übrigens Ganzheit und das helle Holz assoziierten sie mit innerer Reinheit.


Ahornwertholz

Der Bergahorn hat das weißeste Holz alle Ahornarten. Daher nannte man ihn auch Weißbaum. Schon vor etwa 8.000 Jahren stellte man aus dem Weißholz Gefäße her. Bis heute verwendet man das Holz gerne zum Musikinstrumentenbau wie Flöte, Geige, Gitarre oder Harfe. Doch auch Möbel wie Esszimmertische, Schreibtische oder Regale entstehen aus ihm. In der Papierherstellung liefert Ahornholz auch hervorragende Qualität für Druckerpapier.
Doch lässt Ahornholz sich nicht nur gut bearbeiten, es eignet sich auch wunderbar als Kaminholz. Allerdings überwiegt die Werkstoffnutzung mehr als die des Brennholzes. Trockenes Ahornholz eignet sich auch für die Räucherung von Lebensmitteln. Im Lincoln County Process, der bei der Herstellung von Tennesse Whiskey durchlaufen wird, verwendet man Zuckerahorn-Holzkohle bei der Filtration.


Sweet like Ahorn

Besonderer Beliebtheit erfreut sich der Ahorn in Kanada. Dort ist er nicht nur ein Nationalsymbol auf der Flagge und den Uniformen des Militärs, er ist auch wichtiger Bestandteil der Wirtschaft. Denn 80 Prozent des Ahornsirups auf dem Weltmarkt stammt aus Kanada. Dort und in Nordamerika hat der Ahornsirup einen festen Platz in jeder Küche und wird vor allem über die Frühstückspfannkuchen gegossen.

Doch auch in unseren Breiten verwendete man die Süßigkeit des Ahorns zur Zuckerherstellung. Allerdings war es nicht der kanadische Zuckerahorn, sondern der Bergahorn. Aus einhundert Litern Baumsaft gewann man etwa ein Kilo Zucker. Wichtig war dies zu Zeiten der napoleonischen Kontinentalsperre als ein Importverbot von Rohrzucker herrschte.


Ahorn als Speise

Nicht nur der Ahornsaft bzw. -sirup eignet sich für eine gesunde Küche. Auch die Blätter enthalten Kalium, Calcium und Magnesium und sind reich an Eiweiß. Deshalb eignen sie sich gut als Salat.
Tatsächlich trägt der Feldahorn den Beinamen Speisebaum. Aus den noch jungen Blättern bereitete man früher in Notzeiten einen Sauerkrautersatz zu. Früher pflanzte man ihn auch als Futterbaum auf Weiden, denn sein Laub eignete sich auch gut als Viehfutter für Ziegen und Schafe.


Die Heilkraft des Ahorns

Über die Jahrhunderte geriet jedoch eine Eigenschaft des Ahorns langsam in Vergessenheit: seine Heilwirkung. Dabei heilt er schon seit mehr als 4.000 Jahren und zählte im Alten Ägypten in der sogenannten Papyrus Ebers zu den wichtigsten Heilpflanzen. Hauptsächlich behandelte man damals mit ihm Entzündungen.
Hildegard von Bingen empfahl die Heilkräfte des Ahorn auch gegen Fieber: Zum einen sollten die Zweige nach dem Auskochen in ein Bad gegossen werden und zum anderen sollte man ein Glas Ahornsirup mit Wein vermischt trinken.
Seine kühlende und abschwellende Wirkung ist auch gut bei Insektenstichen, Muskelschmerzen, Prellungen und schwere Beine.


Schutzpatron Ahorn

Im abergläubischen Brauchtum erklärte man ihn zu einem Beschützer vor Hexen und bösen Geistern. Türschwellen aus Ahornholz verhinderten den Eintritt von Zauberern und Hexen. Die in Fenster gestellten Ahornzweige sollten mit ihrer an eine gespreizte, abwehrende Hand erinnernden Form noch zusätzlichen Schutz gewährleisten. Auch vor dem Blitzeinschlag. Im Elsass glaubte man auch, sie könnten die Fledermäuse fernhalten. Den Bergahorn pflanzte man in den Alpen, Karpaten und im Mittelgebirge auch als beschützenden Hausbaum nahe des Bauernhofs.
Eine oberbayerische Bauernregel versprach bei fetten Ahornblättern eine gute und ergiebige Ernte. Begoss man die Baumwurzeln mit Wein, ging hingegen ein Wunsch in Erfüllung.

Doch der Ahorn versprach nicht nur Schutz und Heiterkeit: Denn früher konnte man die Baumgeister auch schnell verärgern, wenn man nicht aufpasste. Um das von ihnen ausgehende Unheil noch abzuwenden, brachte man den Ahorn-Dryaden ein ganz besonderes außergewöhnliches Opfer dar. Nämlich Bier.
Auch das berühmte Trojanische Pferd soll aus Ahornholz gefertigt worden sein, denn im antiken Griechenland weihte man den Ahorn dem Kriegsgott Ares.


Bunte Blätterjagd in Japan

Das Hanami im japanischen Frühling hat mittlerweile weltweite Bekanntheit erlangt. Etwas weniger populär hingegen ist momijigari (dt. Rote Blätterjagd). Auch zu diesem Anlass machen sich die Japaner auf in ihre Parks und Wälder, um die bunten Herbstfarben diverser Laubbäume wie Birke und Buche zu bewundern. Ein besonderer Star beim Momijigari ist auf Grund seines unverkennbaren Rots jedoch der Fächerahorn. Anders als hierzulande sind in Japan sehr viele verschiedene Ahornarten beheimatet und sorgen somit für ein wunderschönes Farbenspiel beim Momijigari. Ander als das so genannte amerikanische leaf peeping beim Indian Summer hat Momijigari auch eine spirituelle Bedeutung: Ähnlich wie die Kirschblüten beim Hanami erinnert auch das Laub an die Vergänglichkeit des Lebens.

Tatsächlich symbolisiert das Ahornblatt in Japan den Herbst. Deshalb backt man Kuchen in Ahornblattform und isst Tempura mit Ahornblättern. Anders als auch hierzulande ist der Ahorn dort auch Gegenstand einiger Redewendungen: Hände wie kleine Ahornblätter beispielsweise verwendet man um Babyhände zu beschreiben.
Aber auch für die Bonsaikunst ist der Ahorn nicht nur bei den Japanern beliebt. Besonders gut eignen sich die Arten Felsahorn, Spitzahorn, Felsenahorn und Dreispitz-Ahorn.

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